Scheidung: alles was Sie über eine Ehescheidung wissen müssen

Romantikern wird es nicht gefallen: Eine Ehe ist nichts anderes als ein Vertrag, in dem sich beide Ehegatten zu gegenseitiger Versorgung verpflichten. Er hat lediglich die Besonderheit, dass er nicht vor einem Notar abgeschlossen wird, sondern vor einem Standesbeamten. Dies klingt spröde und unromantisch, aber so ist der Gesetzgeber nun mal. Wie jeden anderen auf Dauer angelegten Vertrag muss man nach dieser Logik auch eine Ehe kündigen können. Weil sich „Kündigung“ allzu prosaisch anhören würde, hat sich der Gesetzgeber dafür einen anderen Begriff einfallen lassen: Scheidung.

Wir haben mit einem Rechtsanwalt für Familienrecht über das Thema Scheidung gesprochen und von ihm Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Ehescheidung und Trennung erhalten.

Scheidung – in Deutschland wird jede dritte Ehe geschieden

Nach der Statistik wird ein Drittel aller geschlossenen Ehen wieder geschieden. Dies klingt nach einem kalkulierbaren Risiko, weil man unwillkürlich denkt, man würde dann eben zu dem glücklichen zwei Drittel gehören, die für den Rest des Lebens zusammenbleiben. Wer so denkt liegt gründlich falsch: Von den Ehen, bei den beide Ehepartner zum ersten Mal im Leben die Ehe eingegangen sind, werden die allermeisten über kurz oder lang wieder geschieden.

Viele Menschen heiraten aber ein zweites Mal, und dann klappt es. Das häufigere Gelingen von Zweitehen verschönert die Statistik und ist der einzige Grund, wie die dieses Drittel zusammenkommt. Die Statistik lügt also nicht. Die verschweigt lediglich, wie der von ihr verkündete Anteil von Scheidungen rechnerisch zustande kommt. Optimismus ist also nicht angebracht.

Zum Trost: eine Scheidung ist nicht so schlimm wie es aussieht.

Wann kann man sich Scheiden lassen?

Scheiden lassen kann sich ein Ehepaar frühestens, wenn beide Ehepartner getrennt ein Jahr lang leben und beide auch geschieden werden wollen. In seltenen Fällen widersetzt sich ein Ehepartner. Dann muss man drei Jahre warten, denn erst dann kann gegen den Willen des anderen Ehepartners die Scheidung angesprochen werden.

Wie lange ist Trennungsjahr bei Scheidung?

Getrenntleben klingt danach, dass dazu zwei Wohnungen erforderlich sind. Viele Ehepaare verdienen aber nicht genügend Geld, um sich zwei Wohnungen leisten zu können. Eng wird es vor allem, wenn Kinder da sind und zumindest ein Ehepartner eine größere Wohnung braucht, um die Kinder wohnen zu lassen.

Man kann deshalb das Trennungsjahr sogar in derselben Wohnung verbringen. Es müssen dann aber beide Ehegatten klar voneinander abgegrenzte eigene Wohnbereiche haben, und es darf keine gemeinsame Haushaltsführung mehr stattfinden.

Zitat: Uwe Haug, Rechtsanwalt

Wenn der eine für den anderen noch einkaufen geht, und wenn die Familie gemeinsam kocht und am gleichen Tisch isst, kann von einem wirklichen Getrenntleben nicht die Rede sein. Am besten ist es natürlich, wenn ein Ehepartner auszieht. Der Ehepartner, der später den Scheidungsantrag stellt, muss nämlich beweisen, dass man die Trennungszeit wirklich eingehalten hat.

In der Praxis ist dieser Punkt allerdings von geringer Relevanz: Nach einjährigem Getrenntleben reicht es, wenn der andere Ehepartner dem Gericht erklärt, dass er nicht geschieden werden möchte. Das genügt, um den Scheidungsantrag zum Platzen zu bringen. Eine Beweisaufnahme darüber, ab welchen Zeitpunkt man nun genau getrennt gelebt hat, ist überflüssig. Nach dreijährigem Getrenntleben haben sich die meisten mit diesen Zustand abgefunden, sodass es bloß noch eine Formsache wäre, den anderen zum Beweis zu zwingen.

Ist eine Scheidung ohne Anwalt möglich?

Wer sich scheiden lassen will, muss einen Rechtsanwalt aufsuchen, der den Scheidungsantrag beim Familiengericht einreicht. Ohne Anwalt geht es nicht, denn das Gesetz schreibt die Vertretung durch einen Rechtsanwalt vor. Besondere „Scheidungspapiere“ sind nicht erforderlich. Sowas gibt es nur in amerikanischen Filmen. Der Scheidungsantrag kann sich darauf beschränken, dem Gericht mitzuteilen, dass man geschieden werden möchte, dass man ein Jahr getrennt gelebt hat, und das der andere Ehepartner voraussichtlich mit der Scheidung einverstanden ist. Dies fällt meist unspektakulär kurz aus. Es ist auch (siehe oben) nur eine Vertragskündigung, weiter nichts.

Scheidung – welche Scheidungsgründe gibt es?

Wenn beide Ehegatten ein Jahr getrennt gelebt haben und mit der Scheidung einverstanden sind, genügt dies als Scheidungsgrund. Es gibt allerdings, wenngleich selten, auch sogenannte Härtefallscheidungen. Dann muss der Rechtsanwalt zusammen mit dem Scheidungsantrag dem Gericht schriftlich Gründe schildern, aus denen es der Antragstellerin oder dem Antragssteller völlig unzumutbar ist, noch an der Ehe festgehalten zu werden, auch während eines Trennungsjahres.

Was sind schwerwiegende Scheidungsgründe?

Diese Gründe müssen so schwerwiegend sein, dass jeder vernünftige Mensch den Kopf schüttelt und meint, dass es unter diesen Umständen niemand mehr zumutbar ist, verheiratet zu bleiben.

Gibt es Härtegründe für eine Scheidung?

Zugegeben: dies hört sich sehr ausweichend an. Wenn der andere Ehepartner einen fortwährend verprügelt, ist dies sicherlich ein Härtegrund, der eine sofortige Scheidung erfordert. Darunter wird es allerdings schon schwieriger. Fortgesetzte sexuelle Untreue kann man einem modernen Familiengericht längst nicht mehr als Härtegrund für eine sofortige Scheidung vorsetzen.

Es gibt eine Menge Sachverhaltskonstellationen, wo die Meinungen auseinandergehen. Was ist etwa wenn:

  • sich ein Ehegatte dauerhaft einem anderen Partner zuwendet und diesen sogar, wenngleich nur religiös vor einem buddhistischen Priester, heiratet?
  • ein Ehepartner die Bankvollmacht missbraucht, die ihm der andere Ehepartner erteilt hat, und sich mit dessen Vermögen davonmacht?
  • ein Ehegatte jeden Tag schwer betrunken nachhause kommt und anschließend aus purer Bosheit statt in die Toilette in die Schrankwand pinkelt?
  • oder der Ehegatte drei Tage nach der Hochzeit, ohne Gründe mitzuteilen, plötzlich nicht mehr nachhause kommt, sondern untertaucht?

Nein, an dieser Stelle wird nicht verraten, wie die Sache jeweils ausgegangen ist.

Gerichte setzen sich über das Problem übrigens elegant hinweg: Sie ziehen das Verfahren einfach so lange hin, bis das Trennungsjahr sowieso abgelaufen ist. Dann braucht man sich mit dem hässlichen Ausgangspunkt für die Scheidung nämlich nicht mehr befassen.

Was ist eine einvernehmliche Scheidung?

Am leichtesten ist eine Scheidung, wenn der andere Ehegatte den Scheidungsantrag bloß noch ab nicken muss, weil er selbst ebenfalls geschieden werden möchte. In diesem Fall braucht dieser nicht einmal einen eigenen Rechtsanwalt, denn auf diese bloße Zustimmungserklärung erstreckt sich der gesetzliche Anwaltszwang nicht.

Diese sogenannte einvernehmliche Scheidung ist der Idealfall. Das Unangenehme an einer Scheidung ist jedoch nicht das eigentliche Scheidungsverfahren, das nur das Ehepaar angeht. Dieser Termin ist eine Formalie, in der es knapper und sachlicher angeht als damals bei der Trauung. Die Scheidung selbst fürchten auch die wenigsten Menschen.

Was als Katastrophe empfunden wird, sind die sogenannten Folgesachen. Dies sind der Streit um den Zugewinnausgleich und um den Unterhalt für die Kinder und in manchen Fällen auch für den anderen Ehegatten. Bei diesen sogenannten streitigen Scheidungen bildet der eigentliche Ausspruch der Ehescheidung nur den Schlusspunkt. Wenn diese Dinge strittig werden, müssen sich beide Ehegatten von Rechtsanwälten vertreten lassen.

Was versteht man unter einem Zugewinnausgleich bei einer Scheidung?

Die Frage „wer bekommt das Haus?“ entspricht dem Klischee vom bedauernswerten Ehemann, der von seiner habgierigen Ehefrau ausgeplündert wird. In den Vereinigten Staaten und dementsprechend in amerikanischen Spielfilmen kann diese Frage eine Rolle spielen, weil das eheliche Güterrecht dort völlig anders aufgebaut ist, als in Deutschland, wo man entweder in der unkomplizierten Gütertrennung oder eben in der (eigentlich auch nicht komplizierten) Zugewinngemeinschaft lebt.

Die Zugewinngemeinschaft

Eine Zugewinngemeinschaft funktioniert so: Beide Ehepartner behalten bei der Eheschließung ihr Vermögen. Es wird etwa ein gemeinschaftliches Vermögen daraus. Beide Ehepartner verwalten ihr Vermögen auch während der Ehe jeweils selbst. Wer dabei während der Ehe erfolgreicher war, das heißt: mehr hinzugewonnen hat, muss dem anderen Ehepartner nach der Scheidung einen Ausgleichsbetrag bezahlen, den Zugewinnausgleich.

Gütertrennung durch Ehevertrag vereinbaren

Wenn man im Kontext der Trennung und Scheidung diesen Streit nicht möchte, sollte man vor oder während der Ehe einen Ehevertrag abschließen, in dem die Gütertrennung vereinbart wird. Empfehlenswert sind solche Eheverträge bei großem Altersunterschied und Vermögensunterschied der Ehepartner, auch, wenn ein Ehegatte während der Ehe als Unternehmer sehr erfolgreich wird.

Im letztgenannten Fall fällt nämlich der Wert des Unternehmens ebenfalls in sein Endvermögen, das bei der Scheidung mit dem Endvermögen des anderen Ehepartners verglichen wird, um den Differenzbetrag auszurechnen.

In Eheverträgen gibt es hierzu aber eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten, die solche Härten vermeiden und vor allem verhindern, dass verbitterter Streit ausbricht. Allerdings gibt es auch in Eheverträgen Grenzen.

Der Trennungsunterhalt nach einer Scheidung

Vereinbarungen, die Unterhaltsansprüche des schlechter verdienenden Ehepartners gegen den besser verdienenden Ehepartner von vorneherein ausschließen sollen, nützen nichts, weil sie schlicht unwirksam wären. Dies ist ein häufiger Streitpunkt. Gerade wenn sich der Unterhaltsberechtigte Ehepartner von der Ehe lossagt, weil er oder sie bereits anderweitig orientiert hat. Allein diese Tatsache kränkt den Verlassenen, der dann erst recht nicht einsehen will, während der Trennungszeit auch noch Unterhalt bezahlen zu müssen.

Bei den meisten Scheidungen ist zwar gerade dies das heikle Problem, das die Partnerschaft belastet hatte, durchspielt dies praktisch meist eine nur geringe Rolle, zumindest dann, wenn die Einkommen nicht allzu erheblich auseinanderliegen. Entschärft hat der Gesetzgeber dagegen das Problem des nachehelichen Unterhalts, der ebenso ungern bezahlt wurde.

Nach der Scheidung müssen beide Ehepartner nämlich wieder auf eigenen wirtschaftlichen Füßen stehen, und es gibt nur wenige Ausnahmen, in denen man dennoch eine Zeitlang für den anderen Unterhalt zahlen muss. Sie beschränken sich aber auf Fälle, in denen der andere keine Chance auf ein eigenes Einkommen hätte und buchstäblich vor dem Nichts stehen würde. Sie gibt es natürlich, aber sie sind selten. Ansprüche auf nachehelichen Unterhalt lassen sich in Eheverträgen und in Scheidungsfolgenvereinbarungen ausschließen, Ansprüche auf Trennungsunterhalt dagegen nicht.

Wer bekommt bei einer Scheidung die Kinder?

Emotional erschweren kann man eine Scheidung am besten dadurch, dass man sich um die Kinder streitet. Dabei werden die Kinder nicht selten als Waffe gegen den anderen Ehepartner eingesetzt:

Wer die Kinder hat, bekommt vom anderen Kindesunterhalt.

Das viel gepriesene Wechselmodell ist dabei eine heuchlerische Lösung. In Wirklichkeit wird damit eine Pattsituation vereinbart, in der man von sich gegenseitig keinen Kindesunterhalt verlangen kann, weil das Kind für eine Woche beim einen und in der anderen Woche beim anderen Ehepartner ist.

Damit mögen die Eltern den Streit um den Unterhalt beigelegt haben. Es geht aber auf Kosten der Kinder, die beim Wechselmodell nach jedem Wochenende umziehen müssen.

Scheidung Versorgungsausgleich – was sich dahinter verbirgt

Wenn es zur streitigen Scheidung mit allen hitzigen Diskussionen über diese Themen kommt, interessiert der Versorgungsausgleich merkwürdigerweise erstmal am wenigsten. Es ist ein leises Verfahren, welches das Familiengericht von Amtswegen durchführt: Es ermittelt, wie viele Rentenanwartschaftspunkte jeder Ehepartner während der Ehe gesammelt hat. Dann überträgt es vom Versicherungskonto des Erfolgreicheren die Hälfte seines Vorsprungs auf das Versicherungskonto des weniger erfolgsreichen Ehepartners.

Der Sinn ist: beide Ehepartner sollen am Ende der Ehe gleich viele Anwartschaftspunkte für die Rente erwirtschaftet haben. Der Gesetzgeber verfolgte dabei das Ziel, dass gerade Frauen, die nicht arbeiten können, solange sie Kinder zur Welt bringen und aufziehen, keine Nachteile daraus haben, wenn sie in diesen Zeiträumen notwendigerweise nicht gearbeitet hätten.

Weil in diesem Verfahren auch nur Rentenanwartschaftspunkte verteilt werden, und keine Häuser oder Barvermögen, ist der Versorgungsausgleich am wenigsten emotional beladen, wenn es zur Scheidung kommt.

Scheidungsfolgevereinbarung – was versteht man darunter?

Mit einigem Geschick kann es Rechtsanwälten gelingen, während der Trennungszeit Scheidungsvereinbarungen auszuhandeln. Die Ehegatten regeln darin ihre Streitigkeiten über die Scheidungsfolgesachen einvernehmlich bei. Damit erspart man sich, den Streit vor Gericht auszufechten, was auch Kosten spart. Rechtsanwälte wissen nämlich genau, wer wem was bezahlen muss. Sie haben dieselbe Ausbildung wie das Familiengericht, weshalb wenden sie dieselben Berechnungsmethoden an, die auch der Familienrichter oder die Familienrichterin anwenden würde.

An einem einzigen Nachmittag kann der ganze Streit dann beigelegt werden. Von dieser Möglichkeit wird allerdings viel zu selten Gebrauch gemacht, was so gut wie nie an den Rechtsanwälten liegt, sondern an den Ehepartnern: Die meisten glauben, doch besser abzuschneiden, wenn sie das Gericht über alles entscheiden lassen, als wenn sie nur die Rechtsanwälte rechnen lassen.

Im Nachhinein merken die meisten, dass dies die schnellere und vor allem die billigere Methode gewesen wäre, den Streit aus der Welt zu bringen, denn über jede Scheidungsfolgesache, Zugewinnausgleich, Unterhalt, Kinder – muss ein eigenständiges Verfahren durchgeführt werden (jetzt heißt es Verfahren, vor einigen Jahren hieß es noch Prozess), von denen jedes einzelne Geld kostet.

Was kostet eine Scheidung?

Eine Scheidung ist teuer, heißt es. Die stimmt nicht. Wenn sich zwei Ehepartner scheiden lassen, die zusammen monatlich netto 2.000 verdienen, werden 801 Euro Gerichtskosten fällig. Diese werden am Ende geteilt. Einigt man sich vorher über alles, was strittig werden könnte, braucht man nur einen Rechtsanwalt, der 1.820,70 Euro kostet.

Bei gutem Willen lassen sich diese Kosten noch untereinander aufteilen. Wenn beide meinen, dass sie einen Rechtsanwalt brauchen, bezahlt eben jeder diese 1.820,70 Euro. Darin ist übrigens das Verfahren über den Zugewinnausgleich schon eingepreist. Wenn Sie als Ehepaar zusammen netto 7.000 monatlich verdienen, wird es schon teurer. Dann belaufen sich die Gerichtskosten auf 1.035 Euro, und die Rechtsanwaltskosten auf 2.231,25 Euro.

Unterm Strich: dies ist noch erschwinglich. Wenn man jedoch zusätzlich um, beispielsweise 800 Euro Unterhalt im Monat streitet, zahlt am Ende der, der verliert, 4.099,70 Euro. Streitig man sich dann auch noch, wieder beispielsweise um 50.000 Zugewinnausgleich, bedeutet dies für den Verlierer ein Prozesskostenrisiko von 8.605,45 Euro.

Ab wann ist eine Ehescheidung rechtskräftig?

Rechtskräftig ist die Scheidung einen Monat nach Zustellung des Scheidungsbeschlusses, wenn bis dahin keine Seite dagegen Beschwerde eingelegt hat. Damit ist man dann endgültig geschieden. Die Welt hat sich dann aber nur in einer einzigen Hinsicht verändert: Ab diesem Zeitpunkt dürfte man wieder heiraten.

Kindesunterhalt bei Scheidung

Mit Rechtskraft der Scheidung ist dann auch das lästige Thema Trennungsunterhalt zu Ende. Nicht zu Ende ist dagegen das Thema Kindesunterhalt. Der Kindesunterhalt hat nämlich mit den Streitigkeiten der Eltern über deren Ehe überhaupt nichts zu tun. Deshalb bekommen auch uneheliche Kinder Unterhalt bezahlt. Der Unterhalt ist ein Anspruch des Kindes selbst. Dies wird oft verkannt, weil er meist erst geltend gemacht wird, wenn die Ehe zerbrochen ist, und zwar zwangsläufig von dem Ehepartner, bei dem die Kinder leben. Viel Zorn wird dabei auf dieses Thema Kindesunterhalt projiziert, obwohl sich die Wut in Wirklichkeit auf den anderen Ehepartner richtet, bei dem die früherer Liebe kalter Habgier gewichen zu sein scheint.

Kindesunterhalt – wer muß zahlen?

Wer eheliche oder uneheliche Kinder hat, muss Kindesunterhalt zahlen. Egal ob er will oder nicht. Dies überfordert aber niemand. Die allermeisten Gerichte in Deutschland wenden bei der Berechnung die Düsseldorfer Tabelle an. Wer sie zu lesen versteht, weiß sofort, wie viel Unterhalt er bezahlen muss. Was Sie an Unterhalt zahlen müssen, richtet sich zum einen nach Ihrer Leistungsfähigkeit als Unterhaltsschuldner. Wenn Sie viel verdienen, zahlen Sie mehr. Wenn Sie weniger verdienen, zahlen Sie auch weniger.

Das andere Kriterium ist der Bedarf des Kindes. Kleinkinder brauchen weniger zu Essen, zu Trinken und Platz zum Wohnen als große Kinder, und ein kleines Laufrad kostet weniger als ein ausgewachsenes Fahrrad. Deshalb steigen die Unterhaltsbeträge, passend zur jeweiligen Einkommensgruppe, mit dem Lebensalter an.

Düsseldorfer Tabelle verstehen lernen

Die Düsseldorfer Tabelle müssen Sie aber genau lesen, um sie zu verstehen. Halten Sie sie in der einen Hand und die eigene Gehaltsabrechnung in der anderen, verzweifelen Sie innerhalb einer Minute. Lassen Sie sich aber erklären, kommen Sie zu ganz anderen Zahlen, mit denen Sie durchaus leben können.

Wie lange muss man Kindesunterhalt zahlen?

Den Kindesunterhalt schuldet man, bis das Kind wirtschaftlich für sich selbst sorgen kann. Wenn das Kind die Idee hat, nach der Realschule beispielsweise zur Polizei zu gehen, wo man im ersten Ausbildungsjahr bereits über tausend Euro Ausbildungsvergütung erhält, ist man das Problem schnell los. Gedenkt das Kind jedoch zu studieren, kann es dagegen schon sein, dass man zweieinhalb Jahrzehnte in der Pflicht steht.

Sorgerecht – wer bekommt die Kinder?

Eine häufige Frage ist auch, wer bei der Scheidung die Kinder bekommt. Hierfür gibt es keine starren Regeln.

Das gemeinsame Sorgerecht

Grundsätzlich behalten beide Elternteile das Sorgerecht, auch über die Scheidung hinaus. Das Sorgerecht für sich alleine zu beantragen, bedeutet, dem anderen das Sorgerecht zu entziehen. Hier ist es ähnlich wie bei den Härtefallscheidungen (siehe oben). Wenn das Familiengericht einem Elternteil das Sorgerecht erziehen und es alleine dem anderen Elternteil übertragen soll, muss schon allerhand passiert sein, wodurch sich der betroffene Elternteil völlig disqualifiziert hat.

Entzug des Sorgerechts

Um das Familiengericht dazu zu bringen, von der Regel des gemeinsamen Sorgerechts abzuweichen, muss man dem anderen Elternteil schon sehr schwerwiegende Fehlverhalten gegenüber dem Kind nachweisen. Vom Sorgerecht ausgeschlossen werden kann der Elternteil, der:

  • sein Kind geradezu verwahrlosen lässt
  • seine erzieherischen Ziele mit Gewalt durchsetzt
  • oder wegen Alkoholabhängigkeit oder Drogenabhängigkeit erwiesenermaßen unzuverlässig ist.

Der Umstand, dass man eine Gefängnisstrafe absitzen muss, reicht dagegen für sich genommen noch nicht aus: Gewiss ist dies der leibhaftige Beweis, dass man nicht der allerfesteste Charakter ist, doch ist man deshalb nicht automatisch außer Stande, vernünftig an der Personensorge und Vermögensorge des Kindes mitzuwirken. Die nötigen Vereinbarungen hierzu kann man schließlich auch in Besucherraum der Justizvollzugsanstalt treffen.

Wann kann das Sorgerecht noch entzogen werden?

Auch hier gibt es abenteuerliche Grenzfälle und Einzelfälle, in denen man sehr geteilter Meinung darüber sein kann, ob sich hier jemand disqualifiziert hat, dass elterliche Sorgerecht auszuüben. Oder nicht.

Wie ist es, wenn eine Ehefrau ihren Liebhaber bei Abwesenheit des Gatten in der eigenen Wohnung empfängt und in der demselben Sex mit ihm hat, indem das Wickelkind in der Wiege liegt?

Wie ist es, wenn ein Ehemann Erotikfilme guckt und den neunjährigen Sohn mitschauen lässt?

Auch hier werden die wirklichen Ergebnisse des familiengerichtlichen Verfahrens lieber nicht verraten, um der Fantasie keine Grenzen zu setzen, wie die Sache wohl ausgegangen sein könnte.

Bei Scheidungskriegen ist der (am Ende doch selten erfolgreiche) Versuch, dem anderen Ehepartner das Sorgerecht wegzunehmen, nur Ausdruck überschäumenden Zorns und beharrlichen Vernichtungswillens. Im Sud dieser negativen Gefühle wird oft übersehen, dass sich die Sache allzu leicht zum Bumerang entwickelt.

Gerade wenn man Familiengericht die denkbar allerschlimmsten Geschichten aufgetischt werden fällt von der Richterbank nicht selten die Frage zurück:

Und wie konnten Sie das eigentlich zulassen, wenn Sie das doch so genau wissen?

In der Tat, etwa den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs der Kinder kann ein Ehepartner nur dann erheben, wenn er davon wusste. Wenn dieser Vorwurf erst in einem Scheidungsverfahren erhoben wird, kann es nicht anders gewesen sein, als dass man jahrelang über diese Vorgänge hinweggesehen hat. In solchen Fällen disqualifiziert sich der Ehepartner, der nicht eingeschritten ist, genauso wie der andere Ehepartner, der die Tat begangen hat.

Weil die eigene weiße Weste oft eine Seltenheit ist, endet der Versuch, dem anderen Ehepartner das Sorgerecht zu entziehen, nicht selten damit, dass das Familiengericht keinen der beiden für in der Lage hält das Kindeswohl durchzusetzen. Dann landet das Kind am Ende bei Pflegeeltern.

Wer haftet bei einer Scheidung für gemeinsame Schulden?

Eine häufig gestellte Frage ist, wie es nach einer Scheidung mit gemeinsam aufgenommenen Krediten oder sonstigen gemeinsam eingegangenen Verbindlichkeiten besteht. Die Antwort ist einfach: Wenn ein Ehepaar gemeinsam einen Kredit aufnimmt, haftet es gegenüber der Bank auch nach der Scheidung weiter.

Wenn Sie eine Wohnung gemeinsam gemietet haben, haften Sie für die Miete auch unabhängig von der Scheidung weiter. Hier werden Sie als Ehepartner nicht anders behandelt wie als unverheirateter Mensch. Selbiges gilt, wenn Sie miteinander ein Geschäft eröffnen und dafür einen Kredit brauchen oder ein Büro mieten.

Anders kann es in Einzelfällen lediglich sein, wenn ein Ehepartner für einen Geschäftskredit des anderen Ehepartners bürgt oder gegenüber der Bank dessen Schuld „pro forma“ beigetreten ist, damit die Bank ausreichende Sicherheiten zur Verfügung hat. Erweist sich später, dass der bürgende Ehepartner kein auch nur mittelbares eigenes wirtschaftliches Interesse an der Kreditaufnahme des anderen Ehepartners hatte, und dass er selbst unmöglich in der Lage gewesen wäre, realistisch für die Schuld des anderen einzustehen, können die Bürgschaft oder der Schuldbeitritt unwirksam sein. Darauf hat allerding die Scheidung keinen Einfluss beziehungsweise stellt sich das Problem unabhängig von der Scheidung. Die Frage muss man mit dem Gläubiger ausfechten, nicht mit dem Ehepartner bei der Scheidung.

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