Schloss Ettersburg bei Weimar wird Aussenstandort BUGA 2021

Schloss Ettersburg war seit der Errichtung der ersten Schlossgebäude und der Parkanlagen Anfang des 18. Jahrhunderts ein beliebter Jagd- und Sommersitz der herzoglichen Familie von Sachsen-Weimar-Eisenach. Der einzigartige Schlosspark auf dem Ettersberg wird ein Außenstandort der Bundesgartenschau BUGA Erfurt 2021 sein.

Bis zur Eröffnung der BUGA im April 2021 finden erhebliche Baumaßnahmen statt, um – in Umsetzung einer „gartendenkmalpflegerischen Zielstellung“ – vor allem die barocken Parterreanlagen so zu formen, wie sie in der dominanten Phase Mitte des 19. Jahrhunderts ausgesehen haben. Die öffentliche Zuwegung vom Parkplatz durch den Park zum Schloss wird zudem neu gestaltet.

Schloss Ettersburg Weimar gehört zum UNESCO Weltkulturerbe

Schloss und Park Ettersburg liegen beim thüringischen Ettersburg auf dem Ettersberg (474 m), einem lang gestreckten Höhenzug nördlich von Weimar. (c) BÖGAZIN.DE

Ettersburger Schloss – ein zeitloses Gesamtkunstwerk

Da fiel mirs auf wie mir die Gegend so lieb ist, das Land! der Ettersberg!

Brief von Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein, 16. Juli 1776

Schloss Ettersburg bei Weimar: das Ensemble war und ist ein Gesamtkunstwerk. Seine aktuelle komplexe Nutzung – und zwar als Hotel, Tagungshotel, exklusiver Veranstaltungsort und Sitz der Bauhaus Akademie – entspricht der ebenso tiefen wie ambivalenten Geschichte der Häuser. Lustvolle Intellektualität, ambitionierte Weitsicht, witzige Geselligkeit wechselten auf Schloss Ettersburg mit langen Phasen der Vergessenheit, der Verwahrlosung, des nahen Abgrundes.

Auf Schloss Ettersburg wurden während der Aufenthalte der illustren Hofgesellschaft in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sodann in der Mitte des 19. Jahrhunderts faszinierende Kapitel deutscher Geistesgeschichte geschrieben. Als Sommersitz der Herzogin Anna Amalia von 1776 bis 1781 zog Ettersburg literarisch-musische Genies wie Goethe, Schiller, Wieland und Herder an.

Das spröde Jagdschloss und verborgene Sommerschloss am Nordhang des Ettersberges begeisterte später Großherzog Carl Alexander, der es, den klassischen Impuls zeitgemäß aufgreifend, zum Kern eines neuen künstlerischen Lebens in Sachsen-Weimar, zu seinem Refugium und einem Ort freier Geister in seiner „silbernen Zeit“ entwickelte.

Schloss Ettersburg Weimar ist Unesco Kulturerbe

Schloss Ettersburg bei Weimar ist eine gefragte Adresse für Kultur, Bildung, Forschung und Politik. (c) BÖGAZIN.DE

Vom herzoglichen Jadgschloss zum renommierten Kultur-Schloss bei Weimar

Der Name Ettersburg ruft viele, vor allem widersprüchliche Assoziationen auf: mittelalterlicher Knotenpunkt, Stift der Chorherren, Kloster der Augustiner, herzogliches Jagdschloss, exaltierte Heiterkeit der Stürmer und Dränger, ausgelassene Genialität, aristokratische Salonkultur, gartenkünstlerische Gestaltungskraft, Internatsschule der Reformpädagogik, Nähe zum Konzentrationslager Buchenwald auf der anderen Seite des Waldes, Offiziersschule der Sowjetarmee, Altenheim, Provisorium – und nun Akademie der Bauwirtschaft, Standesamt, renommiertes Kultur-Schloss, besonderes Tagungshotel mit 23 modern ausgestatteten Zimmer und 5 Suiten.

Schloss Ettersburg gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“

Schloss Ettersburg bei Weimar ist das versteckteste, das männlichste der Sommerschlösser der Weimarer Klassik. Die historischen Gebäude schienen lange dem Verfall preisgegeben. Seit einigen Jahren jedoch strahlt das zum UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“ gehörende Schlossensemble nach einer umfassenden Sanierung in neuem Glanz. Dieser eigenwillige, unkonventionelle Ort wurde nach einer tiefgehenden, aber behutsamen Sanierung durch das Bildungswerk BAU Hessen-Thüringen e.V., Pächter und Nutzer der Gebäude, im Jahr 2007 wieder, sogar erst eigentlich eröffnet.

Pfingst.Festival, Konzerte und internationale Stars auf Schloss Ettersburg

Schloss Ettersburg ist nunmehr wieder ein besonderer Platz, nicht nur traditionell, sondern auch aktuell verbunden mit Gestaltungswille, Konzentration, zugleich mit kunstsinniger Lebensfreude – und weitsichtiger Inspiration. Im Haus und im Park findet ganzjährig ein Cross-over-Kulturprogramm statt.

Überregional bekannt sind das Pfingst.Festival Schloss Ettersburg, die Ettersburger Gespräche, der Lyrische Salon sowie Liederabende und Konzerte auf Schloss Ettersburg. Gut 200 Künstler, Intellektuelle, Schauspieler, Musiker kommen jährlich in den Gewehrsaal, darunter internationale Stars wie Armin Mueller-Stahl, Al Di Meola, Christopher Clark und The Celtic Tenors.

Klassische Musik mit dem Franz Liszt-Duo auf Schloss Ettersburg

Konzert des Franz Liszt-Duo im Gewehrsaal von Schloss Ettersburg (c) BÖGAZIN.DE

Geschichte Gartenanlagen und Park Ettersburg

Die Gestaltung des romantischen Landschaftsgartens geht zu wesentlichen Teilen auf Carl Alexander, den Urenkel Anna Amalias, zurück, der das Schloss im Jahr 1842 übernahm. Der junge Erbgroßherzog ließ die beiden Schlossparterres nach neuesten Ideen umgestalten. Schloss Ettersburg ist seitdem die inkommensurable Verbindung von Kultur und Natur, des Kunst- und des Naturschönen.

Da Ettersburg anfangs nur als Jagdschloss diente, hatte Herzog Ernst August I. im frühen 18. Jahrhundert auf eine aufwendige Gartengestaltung verzichtet. Ihm genügten die Parterreanlagen. Die Wege wurden dabei in regelmäßige, mit Buchsbaum eingefasste Quartiere aufgeteilt, welche von Traillagen umgeben waren. Die Parterres wurden von Skulpturen geschmückt. Waährend der Sommermonate stellte man zusätzlich Orangenkübel auf. An den Mauern der Gärten von Schloss Ettersburg wuchsen Birnen, Äpfel, Pfirsiche und Zwetschgenbäume, welche alle am Spalier gezogen waren.

Innovativer Gartenstil erhält Einzug durch Herzogin Anna Amalia

Nach dem Tod Ernst Augusts wurden Schloss und Gartenanlagen vernachlässigt, ein „Brunfthofschloss“ im Jagdwald abgerissen. Anna Amalia wiederum widmete sich dem Park in empfindsamer Weise. Die waldreiche Umgebung entsprach dem in Mode gekommenen Ideal der Ländlichkeit. Auf Schloss Ettersburg bot sich der Herzoginmutter die Möglichkeit, den damals innovativen Gartenstil einzuführen, ohne auf vorhandene Strukturen Rücksicht nehmen zu müssen. Sie ließ im Forst zahlreiche »Spatziergänge“ anlegen und diese mit Inschriften, Skulpturen und Büsten ausstatten.

Im Geschmack der Zeit wurden Waldnischen, ein Naturtheater, eine Einsiedelei angelegt. Die steifen barocken Gartenanlagen um das Schloss wurden gefällig gestaltet, Bäume zum Schutz gegen die scharfen Ostwinde gepflanzt: gut einhundert Robinien, große Platanen, und noch heute beeindruckt der alte amerikanische Tulpenbaum auf der Gewehrsaalwiese, der im Juni blüht.

1777 ließ Anna Amalia an der Westkante des Ettersberges, an der Hottelstedter Ecke, einem alten Festplatz ein achteckiges Haus errichten: fast zehn Meter hoch, drei Meter im Durchmesser, mit einer rundherum laufenden Galerie.

„Zeitschneise“ vom Schloss zur Gedenkstätte Buchenwald

Der Ort bot damals freien Blick, man konnte weit in das Thüringer Becken, bei guter Sicht bis zum Brocken schauen. Die Grünehaus-Allee, die heutige „Zeitschneise“, die vom Schloss zur Gedenkstätte Buchenwald führt, trägt ihren Namen nach jenem farbigen Haus, das allerdings wegen der hohen Kosten für die ständige Wiederherstellung 1815 abgerissen wurde. Nach der Verlagerung des Sommersitzes nach Tiefurt 1781 sucht Anna Amalia Schloss Ettersburg nur noch selten auf. Die Gartenpartien verfielen.

Die Idee vom Ettersburger Park entsteht

Bereits 1840, angeregt von den auf seiner Englandreise gewonnenen Eindrücken, bat Carl Alexander den Gartenkünstler Eduard Petzold nach Weimar, um sich einen Plan für den Ettersburger Park entwerfen zu lassen.

In die Konzeption flossen Ideen des Großherzogs ein, der großen Wert auf eine eindrucksvolle Verbindung von Schloss sowie veredelter und wilder Natur legt. 1842 begann die Umgestaltung, Petzold als Hofgärtner widmete sich zunächst der Erweiterung der Anlagen westlich der Schlossgebäude. Die Aussicht aus dem Tafelzimmer und dem Weißen Saal führte auf eine der Jagdschneisen, die Schlossallee. Um diesen Blick zu sublimieren, bat Petzold seinen Lehrmeister Hermann von Pückler-Muskau, der in gartenkünstlerischen Fragen am Weimarer Hof größtes Ansehen genoss, um Rat.

Ein englischer Park für Schloss Ettersburg

Ein Jahr darauf kam der Fürst erstmals nach Ettersburg. Seine Absicht war es, ein schön gegliedertes, abwechslungsreiches Landschaftsbild zu schaffen. Gemeinsam mit Petzold gestaltete Pückler die Landschaft um das Schloss zum englischen Park um. Im Sommer 1945 begann der große Aushau auf dem Ettersberg, in dessen Ergebnis der Pücklerschlag entstand. Es handelt sich hier um eine Waldwiese, welche sich vom Pfaffental bis hinauf zum Jagdstern zieht. Die Schlossallee in der Hauptachse des Schlosses wurd erweitert zu einem offenen Geländeabschnitt, die Übergänge zum Mischwald durch ausgeprägte Bäume und Baumgruppen gestaltet.

Parkanlagen von Schloss Ettersburg laden zum flanieren ein

Das Kultur-Schloss Ettersburg liegt in einem englischen Landschaftspark. (c) BÖGAZIN.DE

Schlosspark Ettersburg – herrausragendes Gartendenkmal in Europa

Vom höchsten Punkt des Schlages (384 Meter) nach unten zu laufen ist ein ästhetisches Ereignis: zunächst der weite Blick in das innere Thüringer Becken, dann werden Schloss und Schlosskirche mächtiger, thronen schließlich über der Seewiese, bestimmen das Panorama. Der Schlosspark mit seinem artenreichen Gehölzbestand und den künstlerisch geformten Übergängen zum angrenzenden Waldgebiet, zählt zu den herausragenden Gartendenkmalen Europas. Auch die Forsthauswiese, die sich vom Wiesengrund ostwärts ausdehnt, diente der Verschönerung der Aussichten.

Der Pücklerschlag wurde durch die Bodenreform Ende der 1940er Jahre in kleine Parzellen zerschlagen. Die neuen Besitzer fällten viele Bäume, um das Holz zu verkaufen. Nur wenige Baumgruppen wie die Linden am Brunfthof überstanden diese Zeit. Hierzu gehören die uralten Buchen am unteren östlichen Wiesenrand sowie Solitärs auf der 14 Waldwiese.

Wechselvolle Geschichte von Ettersburg

Im Jahr 1968 kam die verwahrloste Parkanlage in Rechtsträgerschaft der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG). Es gab erfolgreiche Bemühungen, das Gartenkunstwerk in seiner Gesamtheit zu rekonstruieren und zu erhalten. Seit 1999 verbinden zwei der barocken Jagdschneisen – die Schlossallee und die Grünhausallee – als „Zeitschneise“ Park und Schloss Ettersburg mit der Gedenkstätte Buchenwald. Diese am Ende des Pücklerschlags abknickende Achse erinnert so an die wechselvolle Geschichte des Berges.

Mit Pacht und umfassender Revitalisierung des Schlosses hat die Bauwirtschaft Hessen-Thüringen eine große Verantwortung übernommen; in Würdigung der spannungsreichen Geschichte werden auf Schloss Ettersburg nach einem deutschlandweit einmaligen Konzept akademische Weiterbildung, Forschung, Kunst, Denkmalpflege und politischer Austausch neu und erfolgreich zusammengeführt.

Englischer Park auf dem Ettersberg bei Weimar

Der Schlosspark mit Schlossensemble ist ein Teil des UNESCO Welterbes „Klassisches Weimar“. (c) BÖGAZIN.DE

Schloss Ettersburg – ein alter Ort der Widersprüche, ein Ort deutscher Geschichte und neuer Erregungskraft

Schloss Ettersburg verbindet sich wieder mit Inspiration und Form, mit Gespräch und stiller Schönheit.

Vom Anderen aber, dem Musenhof, dem Ort kunstsinniger Lebensfreude und forschenden, tätigen Geistes, muss man träumen dürfen, als einer wichtigen Epoche in der Geschichte Deutschlands und eines in Frieden und Freiheit geeinten Europa. So kann dieser Traum wahr werden. Ich bin glücklich darüber, dass auf Schloss Ettersburg heute wieder zahlreiche alt-europäisch gesinnte Menschen, Künstler und Intellektuelle, Unternehmer und weitsichtige Politiker an der Verwirklichung dieses Traumes arbeiten.

Stéphane Hessel, französischer Widerstandskämpfer und Überlebender des KZ, anlässlich der Wiedereröffnung des Ettersburger Schlosses

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