Venedig Reisetipps: Die besten Tipps für Ihre Städtereise

Unser Redakteur Thomas Rapp hat im August 2020 Venedig besucht und für BÖGAZIN.DE einen Reisebeitrag geschrieben. In unserer Rubrik „Reise & Urlaub“ finden Sie seine ganz persönlichen Venedig Reisetipps für Ihre nächste Städtereise nach Italien.

Venedig Reisetipps in Zeiten von COVID-19

Venedig sei wegen COVID-19 zur Zeit wie leergefegt, heißt es. Ganz stimmt das nicht. Mundschutz und Nasenschutz trägt man höchstens auf dem Vaporetto, dem Wasserbus. Dieser bringt einen vom Bahnhof oder von den großen Parkhäusern auf der Piazzale Roma nach San Marco.

Hier ist es aber bereits nicht mehr möglich, irgendeinen Mindestabstand einzuhalten. Alles drängt sich in die Warteschlangen vor der Markuskirche und dem Dogenpalast, die nicht kürzer sind als sonst. Außerdem ist es sinnlos, sich vor der Kulisse des Campanile mit einem Mund- und Nasenschutz fotografieren zu lassen. Insofern bietet ein Besuch in Venedig eine hervorragende Gelegenheit, COVID-19 für ein paar Stunden zu vergessen.

Eine Venedig Reise will gut vorbereitet sein

Venedig ist die meistbesuchte Stadt in Italien. (c) Thomas Rapp

Venedig Reisetipps mit empfehlenswerten Sehenswürdigkeiten

Eine weitere Sehenswürdigkeit Venedigs auf der Piazza San Marco ist der Uhrenturm, der Torre dell´Orologio, durch den eine kleine Passage hindurchführt. Dahinter liegt das Einkaufsviertel Merceria mit unzähligen Andenkenläden, Juwelieren, Restaurants, Bars und vor allem mit Geschäften mit Lederwaren und Mode.

An einen Mindestabstand ist spätestens hier nicht mehr zu denken, denn es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich vom Strom der Menge treiben zu lassen, zumindest für einen Moment. Dann aber sollte man kurz innehalten und überlegen, wohin man eigentlich in Venedig möchte.

Hier bieten sich mehrere Touren an, besser gesagt: Spaziergänge, denn Venedig ist nicht groß. Ein durchschnittlich trainierter Jogger kann die 4,2 Kilometer vom Eingang der Stadt, der Piazzale Roma, bis zu den Giardini Della Biennale am anderen Ende in gut zwanzig Minuten durchlaufen. Allerdings wird ihm dies höchstens nach Mitternacht gelingen. Tagsüber bleibt er in der zähen Masse bummelnder Touristen hoffnungslos stecken.

Venedig Reisetipps -zwei Spaziergänge vom Torre dell´Orologio

Hier bieten sich mehrere Touren an, besser gesagt: Spaziergänge, denn Venedig ist nicht groß. Ein durchschnittlich trainierter Jogger kann die 4,2 Kilometer vom Eingang der Stadt, der Piazzale Roma, bis zu den Giardini Della Biennale am anderen Ende in gut zwanzig Minuten durchlaufen.

Allerdings wird ihm dies höchstens nach Mitternacht gelingen. Tagsüber bleibt er in der zähen Masse bummelnder Touristen hoffnungslos stecken.

1. Spaziergang unserer Venedig Reisetipps

Vom Torre dell´Orologio aus bieten sich zwei Spaziergänge an. Hier unser erster Vorschlag für Sie:

Romantiker und Geschichtsversessene sollten hinter dem Torre dell´Orologio nach rechts abbiegen, entweder gleich in die Calle de la Canonica oder, wenn man sie im Gedränge verpasst hat, in die Calle larga di San Marco.

Man muss sich nicht auf die eine oder andere dieser beiden Gassen festlegen. Dazwischen gibt es eine Menge verwinkelter Durchgänge, auf denen man zwischen ihnen wechseln kann. Dies ist durchaus reizvoll. Die schmalen Schleichwege wirken auf den ersten Blick etwas eng und dunkel. Touristen trauen sich deshalb kaum hinein. Für die Venezianer sind dies aber die alltäglichen Wege zu ihren Wohnungen, wie sich an einer Menge Briefkästen und Klingelschilder erkennen lässt, und bei den Einheimischen löst es überraschte Blicke aus, wenn sich ein Tourist in diese kleinen Labyrinthe verirrt.

Verlaufen kann man sich darin dennoch nicht. Wenn es wieder hell wird, ist man entweder auf der Calle larga oder auf der Canonica. Diese kleinen Abstecher lohnen sich. In diesen winzigen Seitengassen kann man nämlich plötzlich den Kopf heben und den Anblick der jahrhundertealten Häuser auf sich wirken lassen.

Ihre Fensterläden sind an sonnigen Tagen meist geschlossen. Die Venezianer sind nämlich darauf bedacht, ihre Wohnungen angenehm kühl zu halten, und dazu ist die südeuropäische Erfindung des Fensterladens schließlich da.

Zentraleuropäische Perfektionisten erschrecken über den Anblick der Fassaden, deren Putz entweder schwarz verschimmelt ist oder abplatzt. Dies ist in einer Stadt im Meer aber nicht zu ändern. Betrachtet man die Gemälde des berühmten venezianischen Malers Canaletto aus dem 18. Jahrhundert, sahen die Gebäude der Stadt damals schon genauso aus.

Venedig besitzt mehr als 400 Brücken

So der so gelangt man am Ende der einen wie der anderen Gasse an eine Brücke über den Rio di Palazzo, den Kanal hinter dem Dogenpalast. Von dort aus hat man einen hübschen Blick auf die weiße Ponte dei Sospiri, die Brücke der Seufzer, welche auf ihr ausgestoßen wurden, denn trotz aller Pracht war sie nichts anderes als der Weg zu den berüchtigten Bleikammern, dem Gefängnis für die Staatsgefangenen der Republik Venedig.

Venedig besitzt über 400 Brücken, welche die über 150 Kanäle für die Venezianer passierbar machen. Egal, welche Brücke man in Venedig wählt, landet man auf der anderen Seite auf der Corte Sabionera. Von ihr aus trifft man auf die Calle Rimpeto Sacrestia. Auf diese sollte man nach rechts abbiegen und auf ihr weitergehen bis zur Salizada San Provolo. An deren Ende befinden sich Läden für venezianische Puppen, Karnevalsmasken und Murano-Glas.

Persönliche Venedig Reisetipps von Bögazin.de

Mehr als 400 Brücken führen über die 150 Kanäle in Venedig. (c) Thomas Rapp

Nach der Brücke beginnt der Campo San Zaccaria, dessen Höhepunkt die Chiesa San Zaccaria bildet, eine gotische Kirche mit Malereien von Bellini. Geht man diese Gasse vollends zu Ende, kommt man wieder am Canale Grande heraus, und zwar an der Riva degli Schiavoni, die sich ab der Piazza San Marco an seinem Ufer entlang hinzieht. Hier gibt es gleich wieder teure Hotels und mondäne Restaurants, die einen auffälligen Kontrast zu den bescheidenen Gässchen des Campo San Zaccaria bilden.

Venedig Reisetipps: Auf den Spuren von Antonio Vivaldi

Dennoch empfiehlt sich dieser Weg, denn die sich an ihn anschließende Ponte de la Pietà ist der beste Weg über den nächsten Kanal, den Rio dei Greci. Ihn muss man überqueren, wenn man auf den Spuren des berühmten venezianischen Komponisten von „Die Vier Jahreszeiten“, Antonio Vivaldi, wandeln möchte.

Antonia Vivaldis Wirkungskreis lag vor dreihundert Jahren nämlich gleich unmittelbar auf der anderen Seite in der Chiesa della Pietà. Man kann diesen Ort fast nicht verfehlen, denn gleich nach der Ponte de la Pietà wartet das noble Ristorante Vivaldi auf die Freunde barocker Musik.

Don Antonio, den seine Mitbürger damals nur den rothaarigen Priester genannt hatten, dürfte dort aber nie gegessen haben. Die Preise auf der Speisekarte sind nichts für Geistliche, die ihr Dasein als Musiklehrer in Waisenhäusern für Mädchen fristen müssen.

Venedig bietet täglich Vivaldi Konzerte

Seine heutigen Fans kommen an Ort und Stelle dennoch auf ihre Kosten. Überall in Venedig finden fast täglich irgendwo Vivaldi-Konzerte statt, in der Chiesa della Pietà sogar alle zwei, drei Tage.

Seit Beginn der Corona-Krise ist sie allerdings wegen Bauarbeiten geschlossen. Dennoch: Viel von Vivaldis Umgebung ist nicht mehr zu finden. Das Waisenhaus, in dem er unterrichtete, gibt es längst nicht mehr.

Sie mögen noch mehr Vivaldi?

Wenn man Antonio Vivaldi nahe sein möchte, biegt man von der Riva degli Schiavoni nach links in die Calle de la Pietà ein. Hier nimmt man in der Bar Oriental Platz. Sie liegt in einem schattigen Garten mit Palmen und Oleandersträuchern, wie er für Venedig typisch ist. Von dort aus blickt man auf die mehrfach umgebauten Häuser hinüber, in denen sich der Alltag des großen Komponisten abgespielt haben mag.

Unser erster Spaziergang führt weiter über die Calle de la Pietà bis zum Palazzo Bollani. Dort geht es nach rechts zur nächsten kleinen Brücke, über die man den San Marco verlässt und in den Stadtteil Castello eintritt. Hier zeigt sich Venedig wesentlich bescheidener, unspektakulärer, verträumter.

Castello – das Viertel der Schiffbauer und Hafenarbeiter

Touristen interessieren sich für Castello kaum. Auffällt, dass es plötzlich auch normale Ladengeschäfte gibt und nicht bloß Handtaschenläden und Andenkenläden. Hier wohnen die Venezianer, wenngleich traditionell die weniger wohlhabenden. Es ist das Viertel der Schiffbauer und Hafenarbeiter. Nicht von ungefähr gelangt man gleich über die nächste Brücke, die Ponte Storto, zum Arsenale, wo einst die venezianische Flotte gebaut, repariert und ausgerüstet wurde.

Wenn man die Festungsmauern an den Fondamenta Arsenale entlanggeht, sollte man der Versuchung widerstehen, im einzigen geöffnet erscheinenden Lokal weit und breit einkehren zu wollen. Es ist nämlich keines, sondern es handelt sich um den Offiziersklub der italienischen Marine, aus dem man höflich, aber bestimmt wieder hinausgebeten wird.

Fondamenta Arsenale – kein Zutritt für Touristen

Überhaupt täuscht das mittelalterliche Aussehen des Arsenale mit seinen malerischen Zinnentürmchen darüber hinweg, dass es sich auch heute noch um eine militärische Anlage handelt, in der Touristen nichts zu suchen haben. Von hier aus sind es aber keine 300 Meter mehr bis in die Giardini Della Biennale, in deren Pavillons die internationale Kunstausstellung ausgerichtet wird. Wer möchte, kann den Weg zu Fuß zurückgehen. Man kann sich aber auch vom Vaporetto wieder Richtung San Marco bringen lassen.

Arsenal (Arsenale) kennzeichnet die Flottenbasis der ehemaligen Republik Venedig

Das Arsenal beherbergte die ehemalige Flottenmacht Venedigs. Von Außen wirkt es wie eine uneinnehmbare Festung. (c) Thomas Rapp

2. Spaziergang der Venedig Reisetipps

Unser zweiter Spaziergang führt vom Torre dell´Orologio nach links. Von dort aus ist man in etwa zehn Minuten an der berühmten Rialto-Brücke, dem Übergang über den Canal Grande. Da es nicht gerade weit ist, bietet sich darauf noch ein Abstecher zum Teatro La Fenice an, zum berühmten Opernhaus Venedigs, das man fast gesehen haben sollte.

Die Rialto Brücke

Der Weg führt erst durch die dunkle Calle Frezzaria, weiter über die Piscina de Frezzaria, die Calle Drio la Chiesa und die Calle di Ceffetier, die Gasse der Kaffeehausbetreiber. Auf der Rialto-Brücke selbst gibt es eine Menge Läden, etliche mit den üblichen Andenken, Handtaschen und Schuhen, aber auch mit schönen Textilien wie, zum Beispiel, wunderbaren Seidenkrawatten.

Chiesa di San Giacomo di Rialto – schon von Canaletto gemalt

Von hier aus sollte man den Platz vor der Chiesa di San Giacomo di Rialto ansteuern, den man eigentlich kaum verfehlen kann, wenn man die Rialto-Brücke verlässt. Von ihm gibt es ein Gemälde von Canaletto. Es zeigt, dass sich der heutige Anblick des Platzes und seiner Kirche nicht im Geringsten von seinem Anblick vor dreihundert Jahren unterscheidet. Hier beginnt der wahrscheinlich älteste Stadtteil Venedigs, San Polo. Er ist nicht groß. Orientiert man sich stur nach Westen, gelangt man auf jedem Weg in den nächsten Stadtteil Santa Croce, der gleich an die Parkhäuser an der Piazzale Roma angrenzt.

An dieser Stelle geht es noch verwinkelter zu als in Castello, doch wirken beide Stadtteile bedeutend wohlhabender. Vor allem in Santa Croce merkt man dies an palastähnlichen Häusern mit großen Gärten hinter Mauern oder eleganten Zäunen. Auch hier fließt der Touristenstrom spärlicher, was vor allem daran liegt, dass alle Tagestouristen von der Piazzale Roma direkt mit dem Vaporetto nach San Marco streben.

Vorbei an der Wohnung von Commissario Brunetti

Die wenigsten wissen, dass es vom Parkhaus oder vom Bahnhof aus zu Fuß nur zwanzig Minuten zur Rialto-Brücke sind. Deshalb prägen in Santa Croce auffallend junge Leute das Straßenbild. Hier liegt nämlich die Universität.

Fans der amerikanischen Autorin Donna Leon werden übrigens in San Polo fündig, wenn sie nach Commissario Brunetti suchen. Seine Wohnung liegt an der Einmündung des Rio di San Polo in den Canale Grande. Über die Calle de Magazen müsste sie erreichbar sein. Die Questura der Wirklichkeit ist übrigens ein nüchterner moderner Funktionsbau an der Piazzale Roma.

Venedig Reisetipps – günstig Übernachten in Venedig

Die meisten der 30 Millionen Touristen, die Venedig Jahr für Jahr besuchen, bleiben nur einen einzigen Tag in der Stadt. Hotels sind sehr teuer, sodass die wenigsten sich eine Übernachtung leisten können. Dies ist schade, denn an einem Tag lässt sich Venedig unmöglich erfassen.

Vielleicht übernachten Sie in einem kleinen Schloss mit Swimmingpool

Es ist kein Lottogewinn nötig, um sich ein paar schöne Tage in Venedig zu machen. Man kann auf dem Festland wunderbare Quartiere beziehen, und dies erstaunlich günstig. Für eine Unterkunft in einem kleinen Schloss (mit eigener Kapelle) inmitten einem hektargroßen Garten mit alten Pinien, Feigenbäumen, aber umso moderneren Swimming-Pool werden zurzeit pro Nacht nicht einmal 100 Euro verlangt (www.airbnb.com macht dies möglich).

Reisetipps für Venedig mit günstigem Übernachtipp

Venedig gehört bei den Übernachtungspreise mit zu den teuersten Städten. Eine preisgünstige Alternative bietet hier AirBnB. Ferienwohnung Villa Maria Cisalto (c) Thomas Rapp

Man muss zwar morgens und abends noch ein paar Kilometer fahren und noch 26 Euro für ein Tagesticket in einem der entsetzlichen Parkhäuser Venedigs ausgeben, doch ist dies nur ein Bruchteil dessen, was es kosten würde, eine vierköpfige Familie in zwei venezianischen Hotelzimmer einzumieten. Hat man einen solchen Stützpunkt gefunden, kann man sich einige Tage Zeit lassen, um die geheimnisvolle Stadt im Meer in Ruhe zu erkunden.

Venedig Reisetipps – ein Ausflug nach Murano

Sollte es Ihre Zeit erlauben, so empfiehlt sich in jedem Fall ein Ausflug nach Murano. Es ist ein eher schlichter Stadtteil, der auf fünf kleinen Inseln errichtet wurde. Seine Bewohner stellen hauptsächlich Glas her, vom Trinkglas bis zum Kronleuchter einfach alles, was sich aus Glas anfertigen lässt.

Murano ist (im Sommer) ein heißes Pflaster

Unbedingt sollte man eine der vielen Glasbläsereien besuchen und sich die Herstellung ihrer Produkte vorführen lassen. Allerdings ist Murano ein buchstäblich heißes Pflaster, zumindest mittags. Die Häuser sind dort niedriger und stehen weiter auseinander als in der Innenstadt. Vor der Sonne in schattige, kühle Gässchen zu fliehen, ist in Murano leider nicht möglich. Um sich dann auch noch der Hitze der Glasöfen auszusetzen, braucht man einen stabilen Kreislauf und viel zu trinken.

Für einen Ausflug nach Murano empfiehlt sich zumindest im Sommer eher ein bewölkter Tag. Auslassen sollte man es dennoch nicht, denn Murano ist ein alter, sehenswerter Stadtteil voller Geschichte.

Nach Murano ziehen mussten die Glaswerkstätten bereits im 8. Jahrhundert.  Durch ihre heißen Öfen war es in der Innenstadt zu einem schweren Brand gekommen, der einen großen Teil Venedigs zerstört hatte. Damit sich diese Katastrophe nicht wiederholt, wurden die Glasmacher auf die etwa einen Kilometer abseits gelegenen Inselchen verbannt.

Wer gehen wollte, wurde umgebracht…

Behalten wollten die Venzianer diese Handwerker und ihre Technologie aber unbedingt. Deshalb war ihnen verboten, Venedig zu verlassen, und dieses Verbot wurde auch rigoros umgesetzt: Wer gehen wollte, wurde umgebracht.

Zum Ausgleich durften die Glasmacher aber ihre Töchter an die adligen Familien der Stadt verheiraten. Dieses Privileg hatte damals so viel Gewicht, dass sich kein Glasmacher beschweren mochte.

San Michele – der Friedhof von Venedig

Der Weg nach Murano fährt an einer anderen Insel vorbei, die unwillkürlich an Arnold Böcklins Gemälde „Die Toteninsel“ erinnert.  Die Insel strahlt mit dunklen, schlanken Zypressen eine ernste Schönheit aus und ist überall von einer abweisenden Mauer umgeben. Der Eindruck kommt nicht von ungefähr: Auf San Michele befindet sich seit Jahrhunderten der Friedhof Venedigs. Es ist ein stiller Ort, gerade so, wie man sich eine Toteninsel vorstellt.

Ghetto ist ein Stadtteil von Cannaregio

Ein selbstverständlicher Begriff der Alltagssprache ist Ghetto. Er bezeichnet allgemein abgeschlossene Wohnsiedlungen, besonders jüdische. Die wenigsten wissen, dass der Begriff Ghetto aus Venedig kommt und einst nichts anderes bedeutete als Gießerei, denn die Juden Venedigs hatten sich im Viertel der Gießer ansiedeln müssen.

Heute kann man noch drei Synagogen besichtigen, und das Museo Ebraico gibt seinen Besuchern einigen Aufschluss über das frühere jüdische Leben in Venedig. Das Ghetto gehört zum Stadtteil Cannaregio. Er ist im wahrsten Sinn des Wortes eine recht gemischte Gegend.

Auf den Spuren von Richard Wagner mit den Venedig Reisetipps

Im Süden grenzt Cannaregio mit den prächtigen Palazzi Ca’ d’Oro und Vendramin-Calergi an den Canal Grande. In Letzterem verbrachte der berühmte Opernkomponist Richard Wagner die letzte Zeit seines Lebens. Heute beherbergt er das städtisches Spielcasino.

Der nordöstliche Teil bietet dagegen unter touristischen Gesichtspunkten wenig. Es gibt dort Wohngebiete, Schulen, Sporthallen, Fabriken und Werften wie in jeder anderen Stadt. Dort ist das Venedig der Venezianer.

Venedig Reisetipps – ein Fazit

Das heutige Alltagsleben in Venedig ist wenig romantisch, aber ausgesprochen teuer. In den meisten Stadtteilen ist es schwierig, eine Bäckerei, einen Gemüseladen oder gar einen Supermarkt zu finden. Für viele Händler ist es mittlerweile lukrativer, statt profanen Waren des täglichen Bedarfs, einfach Andenken zu verkaufen. Dies bedeutet zudem weniger Aufwand für den Transport auf die zahlreichen Inselchen.

Einkaufen in Venedig

Zum Wocheneinkauf begeben sich die meisten Venezianer deshalb lieber in die Supermärkte auf das Festland. Dazu brauchen sie aber ein Auto, das wiederum einen Parkplatz erforderlich macht. Weil es in einer Stadt im Meer naturgemäß keine Parkplätze vor der Haustür geben kann, sind auch die Venezianer auf die Megaparkhäuser auf der Piazzale Roma angewiesen, die nicht billig sind.

Von dort aus müssen sie ihre Einkäufe aber noch nach Hause schleppen. Durchschnittsvenezianer, die vom Einkaufen kommen, tragen deshalb nicht nur ein Körbchen am Arm wie Frau Brunetti. Es sind schwitzende Menschen, die riesige Koffer auf Rollen hinter sich herziehen und diese ächzend in das überfüllte Vaporetto (Wasserbus Taxi) bugsieren.

Wohnen in Venedig

Billig sind auch ihre Wohnungen nicht. Hauseigentümer vermieten lieber an Touristen, weil diese unterm Strich mehr bezahlen können als Einheimische. Sie sind aber dringend auf Geld angewiesen, denn die Instandhaltung der immer feuchten Häuser ist sehr teuer. Viele Hauseigentümer verzweifeln daran und retten sich in den Verkauf. Die Käufer sind dann aber meist keine Venezianer mehr.

In der historischen Stadt einschließlich den Inseln von Murano und Burano leben nur noch etwa 60.000 Menschen. Dabei war Venedig im Mittelalter eine der größten Städte Europas. Zu Beginn der Neuzeit, etwa um 1600, sollen etwa 150.000 Menschen dort gelebt haben. Damit war es zu dieser Zeit etwa so groß wie London (Berlin dagegen kam damals nur auf 9.000 Einwohner).

Venedig, die Stadt im Meer, gilt weltweit als ein Wunder. Dieser wundersame Mikrokosmos erschließt sich seinen Besuchern aber nicht an einem einzigen Tag. Venedig verdient Zeit. Auch ohne COVID-19 lässt es sich entdecken, denn der zähe Strom der Tagestouristen fließt in seine geheimnisvollen Ecken auch sonst nicht hinein.

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