Ann-Helena Schlüter – Musik und Kunst entstehen auf Umwegen

Welche Künstlerin ist in diesen Zeiten so viel unterwegs? Die Konzertpianistin und Organistin Ann-Helena Schlüter ist selbst in der Corona-Krise auf Konzertreise. Wie kann das sein?

Ann-Helena Schlüter – ein Segenskind in der Musik?

Die deutsch-schwedische Künstlerin Ann-Helena Schlüter ist Pianistin, Organistin, Komponistin und Lyrikerin und eine international anerkannte Künstlerin. Sie konzertiert weltweit, gewinnt international Preise und veröffentlicht CDs und Gedichte.

Musik machen ist mein Sport.

Zitat: Ann-Helena Schlüter

Als Konzertpianistin und Konzertorganistin gastierte sie gerade in Hannover, Hamburg, Fulda, Stade, Wilhelmshaven und Mönchengladbach. Neben ihren zahlreichen Konzerten nimmt die vielseitige Künstlerin Videos auf, komponiert und gewinnt Literaturpreise. Ihre Gedichte sind preisgekrönt und bemerkenswert.

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Beethoven – Klavierkonzert Nr 3 c-Moll Deutsche Radio Philharmonie, Ann-Helena Schlüter Klavier

Nun fährt sie von Buxtehude nach Fulda, am selben Tag nach Wilhelmshaven, nach Wien zum Literaturwettbewerb. Wie viel Energie kostet dies alles, das Reisen und das Konzertieren?

Sie schreibt:

Musik ist Leben und nicht Überleben, kein Formel 1, kein Rasen. Die Orgel vermittelt mir genau das, sie kommuniziert und reagiert. Sie sagt mir, was sie mag und was sie nicht mag. Ich muss hören. Ich liebe das sprechende Spiel. Und dass das Pedal der Dirigent ist.

Das Interview

Wir haben die sympathische und vielseitige Künstlerin getroffen und mit ihr u. a. über Musik, Motivation, Professionalität und Erfolg gesprochen.

Sie sind sehr vielseitig. Wie schaffen Sie das alles auf diesem professionellen Standard? Was ist Ihre Motivation?

Seitdem ich nicht nur Konzertpianistin, sondern auch Konzertorganistin bin, ist mein Leben noch voller mit Musik geworden. Jedoch gehören Tasteninstrumente für mich zusammen, auch in ihrer Unterschiedlichkeit. Hierbei ist Johann Sebastian Bach mein Vorbild, der alle Tasteninstrumente virtuos und professionell spielen konnte. Heute leben wir in einer Zeit, wo die meisten nur noch ein einziges Instrument professionell spielen können. Aber früher war es normal, Klavier, Orgel, Clavichord auf höchstem Standard spielen zu können. Im Grunde ist es nur eine Frage der Zeit, des Talents, der Leidenschaft, der Liebe und des Fleißes.

Was fasziniert Sie an der Orgel?

Das Orgelspiel inspiriert das Klavierspiel und erweitert auch den komplett den künstlerischen Horizont. Ich möchte das Orgelspiel nie mehr missen. Aber auch mein pianistisches Können beeinflusst mein Orgelspiel. Das Spiel am Clavichord ist natürlich eine wichtige Ebene für das „de touche“ (Tastendruck). Für mich sind diese Instrumente eine Einheit, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen. Natürlich braucht man hervorragende Coaches und Supervisoren, welche regelmäßig an einem dran sind.

Das Klavier und die Orgel haben mich schon immer fasziniert, aber auch das Clavichord und das Cembalo. Dass ich eher ein flinker Mensch bin, der zudem voller Energie, zäh, reiselustig, wissbegierig, kontaktfreudig und willensstark ist, hat mir geholfen, so weit mit mehreren Instrumenten zu kommen.

deutsch-schwedische Künstlerin Ann-Helena Schlüter

Ann-Helena Schlüter – Konzertorganistin, Konzertpianistin, Komponistin, Lyrikerin und Buchautorin (c) ypsilonphoto.com

Was waren Ihre Beweggründe Pianistin zu werden?

Es war mir schon immer einfach ein Bedürfnis, Musik zu machen und mich künstlerisch auszudrücken. Ein Leben ohne Musik ist für mich nicht vorstellbar. Ich glaube, wir als Künstler müssen wieder Schönheit in diese Welt bringen, besonders jetzt.

Ich hatte das große Glück, in einer Pianistenfamilie und Solistenfamilie aufzuwachsen. Dafür bin ich dankbar. Für mich ist diese Identität normal. Die meisten können sich das Leben von Pianisten nicht vorstellen. Pianistin sollte ich werden, Künstlerin bin ich geworden. Klavier- und Orchestermusik gehörten für mich schon immer zum Leben dazu. Ich habe erst in der Grundschule verstanden, dass nicht jedes Kind Klavier oder Geige spielt.

Mit 3 Jahren begann ich mit dem Klavierspiel. Parallel zum Musikgymnasium begann ich mein Studium an der Musikhochschule in Würzburg. Ab einem Alter von 5 Jahren nahm ich an den jährlichen künstlerischen Wettbewerben teil.

Erst im Studium in den ersten Semestern an der Hochschule für Musik in Köln dachte ich das erste Mal überhaupt darüber nach: Willst du das wirklich? Bist das du? Oder wollen es andere? Wie wird es sein, als Konzertmusikerin zu leben? Kann ich das? Das ist ja noch mehr als Berufsmusikerin zu sein. Das ist Leistungssport.

Ich entschied mich, Solistin zu werden — unabhängig von meinen Eltern. Hier musste ich mein eigenes Ja zu meiner Berufung und Karriere finden.

Wann war Ihr erster Bühnenauftritt?

Mein erster Bühnenauftritt war mit 5 Jahren in Nürnberg beim Preisträgerkonzert „Jugend musiziert“.  Erinnern kann ich mich kaum daran. Aber ich habe noch die Urkunde. Dann folgte mein erstes Solo-Recital mit 9 Jahren. Mit 11 Jahren habe ich zum ersten Mal mit dem Orchester im Nürnberger Opernhaus soliert.

Was bedeutet für Sie tägliches Üben? Wie lange üben Sie?

Als Kind war ich eher verträumt und übte viel weniger als meine Schwestern. Doch seit ich erwachsen bin, liebe es ich es zu üben. Das Üben ist mein Rückzugsort von der Welt und die Begegnung mit Schönheit, mit Gott, mit mir und meine Zuflucht. Ich übe ca. 4 Stunden am Tag.

Seit wann sind Sie Konzert-Organistin?

Meine frühesten Erinnerungen hängen mit Klaviermusik, Orchestermusik und Orgelmusik zusammen. Meine Begegnungen mit Leipzig und Bach haben meine Sehnsucht zur Orgel zur Gewissheit gemacht, dass ich eine hervorragende Organistin werden möchte.

Schon als Kind habe ich eigene Stücke, Texte und Lieder komponiert. Alles entsteht in meinem Herzen. Ich habe daher gleich angefangen, für die Orgel zu komponieren. Das, was mich berührt und bewegt, entwickelt sich weiter zu Melodien und Geschichten.

Als Konzertorganistin habe ich die schönste Berufung, die ich mir vorstellen kann. Ich reise und spiele Orgeln, welche für Geschichte, Schönheit, die jeweilige Mentalität, die Menschheit und den Glauben stehen. Was kann man sich mehr wünschen, als an den schönsten Orgeln zu spielen?

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Johann Sebastian Bach – Präludium und Fuge a-Moll BWV 543, Beckerath Orgel Würzburg, Ann-Helena Schlüter

Die unterschiedlichen Facetten der Orgeln spiegeln meine eigenen Facetten wider. Ich fühle mich durch die Orgel verstanden in ihrer Majestät, Weiblichkeit und Größe – und gleichzeitiger Zartheit und Verletzlichkeit. Die Orgel ist wie ich: Vorreiterin und Brücke.

Es gibt auch eine Komponistin und Buchautorin Ann-Helena Schlüter?

Seit meinem 8. Lebensjahr schreibe ich Gedichte. Jetzt entstehen sie auf meinen Reisen und am Klavier und an der Orgel. Die Worte werden Musik, inspirieren, können zum Nachdenken und Träumen anregen. Ich freue mich, dass ich so viele Literaturwettbewerbe gewinne.

Das Komponieren wiederum ist mir eine wichtige Verantwortung, da es so wenig Frauen gibt, die sich dieser Herausforderung in dieser Männerdomäne zu stellen scheinen. Ich arbeite mit wundervollen Verlagen zusammen. Schon als Kind habe ich komponiert.

Ann-Helena Schlüter ist Ihr eigenes Unternehmen. Wie schaffen Sie das?

Ohne ein tolles Team im Hintergrund schaffe ich das nicht. Es geht ja nicht nur um die Kunst, sondern auch um Organisation, Entscheidungen, Netzwerk, Social Media, Finanzen, Verträge, Agenturen, Reisen und Lebensdesign. Das Alles ist ein Prozess und manchmal auch ein Wunder.

4 Kommentare
  1. Avatar
    Brigitte Wintzen sagte:

    Kommentar zum Beitrag „Ann-Helena Schlüter – Musik und Kunst entstehen auf Umwegen“
    Ein lebendiges, interessantes Interview! Ann-Helena, eine außergewöhnliche Künstlerin. 🙂

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    • Avatar
      Andreas Friedrich sagte:

      Kommentar zum Beitrag „Ann-Helena Schlüter – Musik und Kunst entstehen auf Umwegen“
      Nicht nur das Interview mit dieser außergewöhnlichen Künstlerin liest sich lebendig und interessant. Insbesondere läßt auch ihre mitreißende und inspieriende Lebenseinstellung als pulsierende Weiblichkeit im Alltag für mich einen farbenkräftigen Regebogen leuchten.

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  2. Avatar
    Franz Kuge sagte:

    Kommentar zu „Ann-Helena Schlüter – Musik und Kunst entstehen auf Umwegen“
    Eine sehr guter Artikel über eine großartige Künstlerin. Bleiben Sie gesund!

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  3. Avatar
    Christoph Kätzel sagte:

    „Ann-Helena Schlüter – Musik und Kunst entstehen auf Umwegen“
    Eine außergewöhnliche Künstlerin, sensibel, mit Scharfsinn. Tolle Texte auf Ihrer Webseite. Spannende Person.

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