Ku’damm 59 – Musical Premiere

Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Das Dritte folgt sogleich: Nach „Ku’damm 56“, uraufgeführt 2022 und Romeo und Julia Musical „Liebe ist Alles“ aus dem Jahr 2023 gibt es nun die Fortsetzung der Geschichte der Frauen um die Tanzschule Schöller in „Ku’damm 59 – das Musical“.

Am 5. Mai 2024 war es endlich soweit. Die musikalische Umsetzung der 2. Staffel der erfolgreichen ZDF Serie „Ku’damm 59“ feierte die Weltpremiere im Theater des Westens in Berlin. Unsere Kultur Redakteurin Susanne Johannes war für uns bei in der Musical Ku’damm 59 Uraufführung in Berlin vor Ort. Wie sie das fast dreistündige Musical erlebt hat, wie die Geschichte der drei unterschiedlichen Schöller Schwestern weitergeht und vieles mehr, lesen Sie in unserem Beitrag.

Das Ku’damm 59 Musical – Die Macher

Annette Hess, mehrfache Grimme-Preis-Trägerin, schrieb das Drehbuch zum zweiten Teil der Ku’damm Saga. Die Liedertexte und die Musik schufen wieder Peter Plate und Ulf Leo Sommer, die inzwischen die musikalische Intendanz des Theaters des Westens innehaben. Wieder mit dabei ist Jonathan Huor, nicht nur für mich einer der besten Choreografen Europas. Er brachte durch seine Arbeit genau die richtige Portion Schwung und  Dynamik in das Stück. Für den nötigen Schliff sorgte Christoph Drewitz mit seiner brillanten Regie. Willkommen in der LIEBMICHALLEE.

Musical Ku’damm 59 – Im Chaos der Gefühle

Die Geschichte der Tanzschulen Besitzerin Caterina Schöllack und ihrer drei Töchter ´Helga, Eva und Monika, die unterschiedlicher nicht sein können, nimmt Fahrt auf:

Helga

Helga von Boost und ihr Mann Wolfgang adoptieren Monikas Tochter Dorli. So soll die Homosexualität von Wolfgang kaschiert werden. Dies funktioniert allerdings nur so lange, bis Wolfgang in seiner Funktion als Oberstaatsanwalt bei einer Verhandlung den Anwalt Hans aus dem Osten der geteilten Stadt Berlin kennenlernt.

Die beiden Männer verlieben sich ineinander und Hans will zu Wolfgang in den Westen kommen. Dies weiß Helga zu verhindern. Sie verrät die Pläne an die Staatssicherheit, um vermeintlich ihre Ehe zu retten. Hans wird bei seinem Fluchtversuch verhaftet und inhaftiert.

Eva

Eva Fassbender kämpft um ein bisschen Unabhängigkeit. Als Versuch, sich zu emanzipieren, nimmt sie heimlich Fahrstunden und besteht die Fahrprüfung. Aber ihr Führerschein geht in Flammen auf. Ihr Ehemann wird gewalttätig und sie flieht.

Mit Hilfe von Monika mietet sich Eva eine kleine Wohnung, denn als verheiratete Frau kann sie dies allein nicht ohne die Zustimmung ihres Gatten tun. Sie wird sich bewusst, dass sie jung und schön ist. Mit den Waffen einer Frau genießt sie ihre Macht über Männer. Ihrem angetrautem Mann bleibt ihr Tun wie auch immer nicht verborgen. Er macht ihren Aufenthaltsort ausfindig und prügelt sie ins Koma. Als sie daraus erwacht, kehrt Eva zu ihrem Ehemann zurück. Sie hat eine Tonbandaufnahme, die den Gewaltausbruches ihren Mann dokumentiert. Damit erpresst sie ihn, ihr ein sorgenfreies Leben mit allen Freiheiten zu ermöglichen.

Catharina Schöllack

Mutter Catharina Schöllack hat das Management von Monika und Freddy übernommen und versucht, deren Karriere im Musikbusiness zu puschen. Die Regie beim Film führt die schon zu Vorkriegszeiten berühmte Christa Moser, die wie Mutter Schöllack in höheren Kreisen verkehrte. Die beiden Frauen stellen fest, dass sie sich bereits während dieser Zeit bei einem Empfang mit dem Führer über den Weg gelaufen sind. Zarte Gefühle entwickeln sich auch zwischen diesen beiden, besonders seitens Christa Moser. Catharina Schöllack steht jedoch nicht zu ihrem Empfinden und weist die Avancen von Frau Moser zurück.

Monika

Monika und Freddy feiern als Schlagerduo „Nicky und Freddy“ große Erfolge. Sogar ein typischer Herzschmerz Heimatfilm am Wolfgangsee wird gedreht. Idylle pur mit Kerlen in Lederhosen und Mädels in Dirndln und Blumenkränzen in den Haaren, Bootsfahrt auf dem See und keuschem Heiratsantrag. Doch die Idylle platzt jäh, als Monika gesteht, dass sie eine uneheliche Tochter hat und Freddys düstere KZ-Geschichte bekannt wird.

Also kehren Monika und Freddy wieder zu der Musik und den Bars zurück, die sie lieben.. Sie feiern in den Rock’n’Roll. In einer Frühlingsnacht laufen sich Monika und Joachim zufällig wieder über den Weg. Drei Jahre sind vergangen seit ihrer letzten Begegnung und der gemeinsamen Zeit. Aber an diesem Abend haben sie sich außer Belanglosigkeiten nichts zu sagen.

Joachim

Joachim ist zurückgekehrt und hat nach dem Selbstmord seines Vaters dessen Waffenfabrik übernommen. Die Produktion soll auf eine zivile Maschinenproduktion umgestellt werden und Joachim stößt wegen dieses Vorhabens auf starken Widerstand seitens des Vorstands des Unternehmens. Das Testament seines Vaters wird wegen angeblicher Unzurechnungsfähigkeit des Erblassers angefochten.

Der Fabrikantensohn ist inzwischen verheiratet und seine Frau Ninette ist schwanger. Sie ist nicht wirklich seine große Liebe, aber als Ehrenmann hielt er um ihre Hand an. Später erfährt er von ihr, dass er nicht der Vater des ungeborenen Kindes ist.

Monika und Joachim

Monika und Joachim geht ihre Begegnung nicht aus dem Kopf. Gefühle keimen wieder auf.  Nächtliche Anrufe und starke Bemühungen seitens Joachim, aber Monika lehnt das Ansinnen Joachims auf eine Affäre ab.

Er trifft sich mit Eva, um auf deren Rat und Zuspruch zu bitten. Dies geschieht fataler Weise vor der Gewalttat von Evas Ehemann, so dass Joachim unter Verdacht gerät, Eva ins Koma geprügelt zu haben. Joachims Ehefrau bestätigt wider besseren Wissens nicht sein Alibi aus Eifersucht auf Monika. Monika glaubt an Joachims Unschuld und bittet sie, die Geschehnisse richtig zu stellen. Mit einem leidenschaftlichen Schlag ins Gesicht überzeugt sie schließlich Ninette, die Wahrheit zu sagen und Joachim kommt aus der Untersuchungshaft frei.

Nach diesen Irrungen und Wirrungen heiraten Monika und Joachim –in einer schlichten Zeremonie  ohne Prunk und Schnörkel. Happy End!?

KU’DAMM 59 Musical – Darsteller

Monika Schöllack: Celina dos Santos

Caterina Schöllack: Katja Uhlig

Eva Fasbender: Isabel Waltsgott

Helga von Boost: Pamina Lenn

Christa Moser: Steffi Irmen

Freddy Donath: Mathias Reiser

Joachim Franck: David Nádvornik

Prof. Dr. Jürgen Fassbender:  Cusch Jung

Celina dos Santos verkörpert in Ku’damm 59 die Rolle der Monika Schöller. Die in Österreich geborene Darstellerin absolvierte ein Bachelorstudium Musik und Kunst an der Uni Wien und spielte bis zu ihrem Engagement für die Rolle der Monika 5 Jahre auf verschiedenen Bühnen Österreichs. Mit ihrer unvergleichlichen Stimme und ihre Darstellung der unangepassten Tochter flashte sie das Publikum.

Katja Uhlig, wieder als Caterina Schöllack besetzt, hinterließ mit ihrer tiefgründigen Darstellung einen starken Eindruck und gewann erneut die Herzen des Publikums. Sie gewann den Deutschen Musical Theaterpreis 2022 – in der Kategorie Beste Hauptrolle: Caterina Schöllack in Ku’damm 56

Isabel Waltsgott spielt erneut wieder die Eva Fassbender. Sie freut sich am meisten, dass sie die Geschichte von Eva weitererzählen und mit der Rolle zusammen ‘weiterwachsen darf. Und das ist in ihrer Darstellung zu merken.

Steffi Irmen ist Christa Moser. Mit Ihrer begeistert gefeierten Darstellung der Amme in „Romeo und Julia – das Musical“ eroberte sie das Publikum im Sturm, so dass sie sogar in „Die Amme“ ihr „eigenes“ Musical bekam. Deshalb wurde aus der ursprünglichen Rolle des Regisseurs Moser in der TV Serie die Regisseurin Moser. Komisch und mitreißend sorgte sie für die nötige Heiterkeit bei all den ernsten Themen im Musical.

Musical Premiere Ku’damm 59 Kritik

Es ist Sonntag, der 5. Mai 2024. Die Sonne scheint. Es ist „Frühling in Berlin“ – passend zum Song bei der zufälligen nächtlichen Begegnung von Monika und Joachim. Auf dem Ku’damm sind scheinbar die 50er Jahre wie ein Flashback auferstanden. Die schönsten Oldtimer vergangener Jahre schmücken den Prachtboulevard und passenderweise flanieren Damen wieder im Petticoat-Kleid.

Ich sehe dies als perfekte Vorzeichen für eine rauschende Premiere und habe natürlich auch eins meiner passenden 50er Jahre Kleider angezogen.

Schon während der Pressekonferenz ist die Spannung und Vorfreude auf die Welturaufführung förmlich zu spüren. Knisterndes Lampenfieber inklusive.

Und dann geht es endlich los. Der Vorhang hebt sich. Das Premierenpublikum und ich finden uns auf einmal mittendrin in der bunten kitschigen Szenerie des 50er Jahre Heimatfilms. Das ist komisch, witzig. Es wird gejodelt, geschuhplattelt inklusive gesungener Herzschmerzschlager. Aber so soll es nicht bleiben.

Dieses Jahrzehnt war nach dem Krieg, zumindest im Westteil der Stadt und Deutschlands,  für Frauen kein Zuckerschlecken. Von Emanzipation keine Spur. Die Frau, speziell, wenn sie verheiratet war, hatte um die Erlaubnis ihres Ehemanns zu fragen. Wenn sie dennoch ihr eigenes Ding machen wollte, musste sie die Konsequenzen spüren und aushalten. All diese Themen werden im Musical Ku’damm 59“ angesprochen ebenso wie das Tabuthema der gleichgeschlechtlichen Liebe. Die Fortsetzung des Musicals Ku’damm 56 ist insgesamt tiefgründiger und ernster und spiegelt die damalige Zeit wider.

Aber keine Angst – das Musical hat all das, was ein gutes Musical auszeichnet. Eine mitreißende Musik: Die Titel „Frühling in Berlin“ und „Marie läuft Amok“ haben für mich absolutes Hitpotential. Gesungen und dargestellt von Darstellern, Sängern und Tänzern, denen man die Spielfreude anmerkt.

Bühnenbild, Licht und Kostüme unterstreichen in bester Weise das Spielgeschehen.

Für mich war „Ku’Damm 59“ – das Musical noch schneller und bewegender als der erste Teil der Ku’damm Saga. Mit diesem Gefühl war ich wohl nicht allein. Das Premierenpublikum feierte die Darsteller und die Macher mit Standing Ovations, Beifallrufen und frenetischem Applaus. Mit der Zugabe „„Marie läuft Amok“ brachte das Ensemble die Stimmung endgültig auf den Höhepunkt und entließ 1.600 Zuschauer in eine rauschende Aftershow Party.

Stimmen nach der Premiere

Heike Makatsch: „Ich finde es toll, wie sich die Geschichten ineinander verweben und auch das Ganze geschichtlich stark eingeordnet wird.“

Lea: „Wenn die Schwalbe in den Himmel schaut“ fand ich unglaublich, heute wurde stimmlich so abgeliefert und für mich als Sängerin ist es toll zu sehen, wie der Tanz und Gesang verbunden wird.“

Tom Wlaschiha: „Sensationell gut! Sehr originell, tolle Rhythmen, toll gespielt, toll gesungen. Macht richtig gute Laune!“

Sabin Tambrea: „Mitreißend und sie haben es mal wieder geschafft sich zu übertreffen.“

Franziska Giffey: „Was einen wirklich berührt ist diese Sicht auf Frauen, deren Rolle und wieviel damals selbstverständlich war.“

Max Raabe: Ich bin total überwältig. Es ist wirklich abwechslungsreich. Und diese Charaktere auf der Bühne – es ist wirklich faszinierend: diese tollen Kompositionen – sehr komplex. Ich bin jetzt völlig aus dem Häuschen.“

Mein Fazit: Ein absolutes Muss für Musical-Fans! Wenn Ihnen „Ku’damm 56“ gefallen hat, werden Sie „Ku’damm 59“ lieben. Ich jedenfalls bin begeistert!

Und es wird sicher nicht mein letzter Besuch von Ku’damm 59 – das Musical gewesen sein.

Ku’damm 59 Musical Tickets & Termine

Alle weiteren Informationen und Tickets finden sie unter Kudamm 59 Musical Tickets

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