Schüleraustausch: Das müssen Sie wissen

Wer sich die Bildungslandschaft in Deutschland ansieht, stellt schnell fest, dass Schüler kaum mehr etwas lernen, was sie wirklich für ihre Zukunft benötigen. Vor allem im Bereich der Digitalisierung, aber auch in der Persönlichkeitsentwicklung gibt es starken Nachholbedarf. Wer seine Kinder auf das Berufsleben vorbereiten will, sollte ihnen abseits der schulischen Ausbildung Möglichkeiten eröffnen. Dazu gehört beispielsweise ein Schüleraustausch während der Schulzeit.

Für unseren Beitrag aus der Rubrik „Familie“ haben wir uns mit einem langjährigen Experten zum Thema „Schüleraustausch“ getroffen. Es handelt sich dabei um Horst Rindfleisch, Inhaber der bildungsdoc® academy in Dresden. In einem persönlichen Interview hat uns Herr Rindfleisch Antworten auf die häufigsten Fragen rund um den Auslandsaufenhalt gegeben.

Nach dem Pisa-Schock vor 20 Jahren wollte Deutschland „Bildungsrepublik“ werden. Doch unbekümmert sieht das Land zu, wie die Leistungen der Schülerinnen und Schüler schon wieder schlechter werden.

Quelle: „Der nächste Bildungsabsturz“, Die Zeit, 13.10.2021

Schüleraustausch: Auslandsaufenthalt während der Schulzeit

Der Schüleraustausch, auch als Austauschjahr oder High School Year bekannt, erfreut sich großer Beliebtheit bei jungen Menschen. Für Schüler wird das Austauschjahr zu ihrem besten Jahr ihres bisherigen Lebens. Sie können sich ausprobieren. Sie lernen das Leben in einer für sie zu Beginn fremden Kultur. Beim selbstorganisierten Schüleraustausch muss im Gegenzug kein Schüler aus dem gewählten Gastland in der eigenen Familie aufgenommen werden, wie es beim staatlich organisierten Schüleraustausch oft der Fall ist.Auslandsaufenhalt

Foto: (c) Sabine Krzikalla auf pixabay

Warum ein Auslandsaufenthalt eine wertvolle Chance ist

Ein Auslandsaufenthalt während der Schulzeit absolviert, wirkt wie ein Turbo in der Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Das Entscheidende bei so einem Schüler Austauschjahr ist nicht der Besuch einer High School oder die Perfektionierung einer Sprache, sondern das Leben in einer Gastfamilie, in einer fremden Kultur – abseits von Eltern und Freunden. Das Verlassen der eigenen Komfortzone legt die Basis für ein späteres selbstbestimmtes Leben.

Was sind die Voraussetzungen für einen Schüleraustausch?

  1. Formale Voraussetzungen: Du bist zwischen 14 und 17 (18) Jahre jung und lernst an einer Oberschule, Realschule oder Gymnasium. Grundvoraussetzungen sind Toleranz, Flexibilität, Neugierde, Durchhaltevermögen und Aufgeschlossenheit. Außerdem solltest Du nicht in psychologischer Behandlung sein.
  2. Schulische und fachliche Voraussetzungen: Du solltest nicht versetzungsgefährdet sein und mindestens einen Notendurchschnitt von 3,0 haben. Es ist hilfreich, die Sprache des Gastlandes so zu beherrschen, dass du dich grob verständigen kannst.

Schüleraustausch planen

Vorbereitung: Erfahrungsgemäß sind einige Monate Vorlaufzeit von Vorteil. Eine Erstberatung für einen Schüleraustausch sollte sechs bis zwölf Monate vor dem Abflug stattfinden. Natürlich kann man ein Schüler Austauschjahr auch Last-Minute buchen, jedoch ist die Auswahl an Ländern und Schulen dann etwas kleiner.

Ziel festlegen: In der Erstberatung gibt es Infos zu den Rahmenbedingungen, Ländern, Schulen, den Kosten eines Auslandsjahres, etc. Entweder du hast schon konkrete Vorstellungen von deinem Austauschjahr oder es werden dir Empfehlungen gegeben, zum Beispiel dass du deinen Schüleraustausch englischsprachig machst.

Die Finanzierung: Programme, Förderungen, Stipendien sind so ausgelegt, dass (fast) jeder Schüler sein Jahr als Austauschschüler absolvieren kann.

Wie kann ich mein Austauschjahr finanzieren?

Um einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Familie: Deine Eltern und/oder Großeltern finanzieren den Großteil dieser Investition.
  2. Stipendien: Kannst du dich bewerben, aber es gleicht einer Lotterie.
  3. Schüler-AuslandsBAföG: Förderprogramm vom Staat, geschenktes(!) Geld – Leistungen:
  • Max. 585 Euro monatlich für Lebenshaltungskosten
  • Flugkostenpauschale: 500 Euro innerhalb EU, 1.000 Euro außerhalb EU
  1. Kindergeld: Das Kindergeld läuft weiter und ist i. d. R. das Taschengeld im Ausland
  2. Jobben: Einen Nebenjob als Schüler suchen und einen Teil der Investition mitfinanzieren.
  3. Bildungskredite: Gibt es für Schüleraustausch nicht.

Wie komme ich an ein Schüleraustausch Stipendium?

Es gibt Stipendien für einen Schüleraustausch. Hierzu zählen u. a. Stipendien von Stiftungen, Firmen und staatlichen Stellen. Die Voraussetzungen sind ebenso unterschiedlich wie die Anbieter. Du kannst Dich auf ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt bewerben. Nach der Abgabe Deiner Bewerbung wartest du, ob du es bekommst oder auch nicht. In der Regel bewerben sich viele tausend Schüler bewerben um ein bis drei Stipendien.

Schüleraustausch – Fragen & Antworten (FAQ)

Ein Interview mit dem Schüleraustausch-Experten Horst Rindfleisch:

Was ist ein Schüleraustausch?

Ein Schüleraustausch ist die beste Möglichkeit, während der Schulzeit seine Akkus wieder aufzuladen, ein anderes Schulsystem kennenzulernen und mit Spaß jeden Morgen zur Schule zu gehen. Gymnasiasten und Oberschüler können den Schüleraustausch auch zur Berufsorientierung nutzen.

Wie viel kostet ein Auslandsjahr?

Bei einem Auslandsjahr sind „Kosten“ das falsche Wort. Es ist eher eine Investition von Eltern in die Zukunft ihres Kindes. Die beste Investition, die es in diesem Alter für das Kind gibt. Die Kosten für ein Austauschjahr in Europa, aber auch in Übersee beginnen bei ca. 7.500 Euro. Unser Bestseller ist seit Jahren ist das „High School Year USA“, für welches aktuell 10.490 Euro komplett plus Taschengeld investiert wird. Weitere beliebte Länder sind: Irland, ab 10.790 Euro, Kanada, ab 16.240 Euro, Mexiko, ab 10.940 Euro oder Spanien ab 10.190 Euro. Bei England gibt es durch den Brexit bei staatlichen High School massive Einschränkungen.

Welche Schüleraustausch Organisationen sind gut?

Wir sprechen ungern über Wettbewerber. In der Corona-Krise haben wir gesehen, dass viele Organisationen ihre Teilnehmer, ohne Rücksprache mit ihnen oder ihren Eltern, nach Hause geschickt haben, nur um sich einen eventuellen Mehraufwand zu ersparen. Da waren die Organisationen rigoros und unter den Rückkehrern gab es viele Tränen. Wir arbeiten mit unserem Schüleraustausch-Partner seit 2008 zusammen und haben bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. In der Corona-Krise konnten unsere Teilnehmer mit ihren Eltern selbst entscheiden, ob sie nach Hause möchten oder im Gastland bleiben. Nur zwei Eltern haben ihr Kind heimgeholt. Die anderen Teilnehmer waren bis zum letzten Tag. Auch das Preis- und Leistungsverhältnis bei unserem Partner überzeugt vor allem die Eltern, die ja auch das Austauschjahr finanzieren. Zu Beginn unserer Beratertätigkeit hatten wir Kooperationen mit einigen bekannten Organisationen, die wir allerdings wieder aufgekündigt haben. Über die Ursachen möchte ich mich jedoch nicht äußern, siehe oben.

Ist ein Schüleraustausch teuer?

Ein High School Year ist die beste Investition, die Eltern in ihr Kind in jungen Jahren tätigen können. Dieses Austauschjahr legt den Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben. Und dann sind ca. 10.000 Euro richtig gut angelegtes Geld. Durch mögliche Zuschüsse vom Staat steigt die Rendite weiter.

Wie viel kostet ein Auslandsjahr in England?

Ein komplettes Auslandsjahr in England ist aktuell sehr preisintensiv. Die Brexit-Verhandlungen sind in Sachen. internationaler Jugendaustausch und Studentenaustausch katastrophal verlaufen. Das ist völlig unverständlich. Aktuell kann man eine staatliche High School nur noch ein halbes Jahr besuchen. Für ein ganzes Schuljahr an einer staatlichen High School gibt es kein Visum. Jedoch kann man ein komplettes Schuljahr an Privatschulen und Internaten ab 25.000 Euro absolvieren.

Wer übernimmt die Kosten für ein Auslandsjahr?

In der Regel übernimmt die Auslandsjahr Kosten der Teilnehmer bzw. die Eltern. Hier können Förderprogramme und Stipendien bei der Finanzierung helfen.

Wo ist ein Auslandsjahr günstig?

Wer ein Auslandsjahr günstig realisieren möchten, sollte dies außerhalb Europas in Brasilien oder innerhalb Europas in Belgien tun.

Wie viel kostet ein Auslandsjahr bei einer Gastfamilie?

Bei Programmen an einer staatlichen High School gibt es immer eine Unterbringung in einer Gastfamilie. Im Programmpreis ist die Suche nach einer Gastfamilie und die Unterkunft bei ihr, inklusive Lebenshaltungskosten, enthalten.

Wie viel kostet ein Austauschjahr in Australien durchschnittlich?

Die Kosten für ein Austauschjahr in Australien an einer High School Year beginnen bei 20.000 Euro.

Was bringt es mir, ein Jahr lang im Ausland zur Schule zu gehen?

Um das Land, die Kultur des Gastlandes zu verinnerlichen, ist ein ganzes Jahr optimal. Denn da erlebst du alle vier Jahreszeiten und alle Festtage gemeinsam mit deiner Gastfamilie und Freunden. Außerdem bringt dir das Jahr unvergessliche Erlebnisse, perfektionierte Sprachkenntnisse (Umgangssprache!), internationale Freundschaften, neue Denkmuster und einen deutlichen Persönlichkeitsschub. Dazu kommt, dass du dir deinen Stundenplan selbst zusammenstellen kann – mit berufsorientieren Fächern! Du kannst also das Austauschjahr auch zur Berufsorientierung nutzen.

Muss es immer ein ganzes Jahr sein oder kann ich auch kürzer ins Ausland?

Die 16 Kultusministerien haben festgeschrieben, unter welchen Bedingungen eine Freistellung vom deutschen Schulbetrieb erfolgen kann, ob eine Eingliederung in das alte Klassenkollektiv möglich ist oder nicht. Unser Motto zur Dauer: Je länger, desto besser. 3 Monate sind oft ein überteuerter Schnupperkurs. Ab fünf bis sechs Monaten passieren die entscheidenden, positiven Veränderungen beim Schüler – eine rasante Persönlichkeitsentwicklung, einhergehend mit neuen Denkmustern und Sozialkompetenzen.

Schüleraustausch planen – mit oder ohne Agentur?

Ich empfehle grundsätzlich einen Schüleraustausch mit Agentur zu planen. Eventuell gibt es Ausnahmen, aber die bringen keine Vorteile für den Teilnehmer. Nur vereinzelt möchten Eltern ihr Kind zu Freunden oder Verwandtschaft ins Ausland geben. Wenn aber beispielweise ein Kind bei einer befreundeten Familie untergebracht ist, wird es sich anderes verhalten als bei einer völlig fremden Gastfamilie. Probleme sind dann meistens vorprogrammiert.

Wo kann ich einen Schüleraustausch machen?

In folgenden Ländern bieten wir einen Schüleraustausch an: USA, Kanada, Mexiko, Costa Rica, Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien, Belgien, Italien, Südafrika, China, Japan, Australien, Neuseeland und weitere Länder.

Unsere Empfehlungen:

  • Das Programm, das Land muss finanzierbar sein – ohne Kredite.
  • Das 1. Auslandsjahr möglichst in einem englischsprachigen Land verbringen, da Englisch die 2. Muttersprache für die junge Generation wird.

Wie viel kostet mich ein Schüleraustausch?

Die Kosten für einen Schüleraustausch beginnen ab 7.500 Euro komplett.

Wie kann ich mich für einen Schüleraustausch bewerben?

Im Normalfall kontaktieren die Eltern bzw. Kind bildungsdoc® und vereinbaren einen Termin für ein Erstgespräch. Dies dauert ca. eine Stunde. Im Erstgespräch informieren wir über die Rahmenbedingungen, Gastfamiliensuche, Schulalltag. Dabei prüfen wir auch, ob der Schüler die Voraussetzungen erfüllt. Weiter geben wir einen Überblick zum Preis- und Leistungsverhältnis sowie Hinweise zur Finanzierung mit Förderprogrammen und Stipendien. Anschließend wird der weitere Terminplan besprochen und alle noch offenen Fragen beantwortet. Nach erfolgtem Erstgespräch kann die Familie zu Hause entspannt entscheiden, was finanziell machbar ist. Beim Zweitgespräch werden u. a. die Unterlagen für den Bewerbungsprozess besprochen.

Wichtig: Bei uns gibt es erst ein Vertragsangebot für einen Schüleraustausch, wenn die Finanzierung steht! Das ist ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von uns.

Kann ich mir eine Gastfamilie aussuchen oder muss ich die nehmen, die mir vorgeschlagen wird? Und kommt es vor, dass manchmal keine passende Gastfamilie gefunden wird?

Von jedem Teilnehmer wird ein „Profil“ erstellt, welches den Gastfamilien im jeweiligen Land vorgelegt wird. Anhand von Gemeinsamkeiten wählt die Gastfamilie ihren Austauschschüler aus. Danach bekommt der Teilnehmer das Profil der Gastfamilie und sieht, bei wem er in den nächsten Monaten wohnen wird. Der Teilnehmer kann die Gastfamilie nicht „abwählen“.

Wir wissen aus langjähriger Erfahrung mit unserer Partner-Organisation, dass jeder Teilnehmer eine Gastfamilie bekommen hat. Wenn es keine freien Gastfamilien im Land oder in der Region mehr gibt, wird das Programm „geschlossen“. Ab diesem Zeitpunkt kann sich kein Schüler mehr dafür bewerben.

Kann ich Wünsche äußern, wo im Land ich gerne leben würde?

Diese Wünsche kannst du äußern. Du musst allerdings wissen, dass derartige Wünsche beim Schüleraustausch immer mit einem Aufpreis versehen sind. Wenn du Wünsche äußerst, hast du meist Bilder vor Augen, beispielsweise beim Bundesstaat Kalifornien. Dort gibt es aber eben nicht nur Strand, sondern auch Wüste. Für unsere Teilnehmer spielt die Regionenwahl keine Rolle. Wenn du eine bestimmte Schule besuchen möchtest, hast du damit auch gleichzeitig die Region ausgewählt – gegen Aufpreis.

Brauche ich ein Visum und zusätzliche Versicherungen?

Ja, ein Visum und ein Versicherungspaket brauchst Du für Länder außerhalb der EU. Innerhalb der EU brauchst Du das nicht. Eltern sollten aber ihre Krankenversicherung trotzdem über den Auslandsaufenthalt ihres Kindes in der EU informieren. In unseren Beratungsgesprächen geben wir dazu Hinweise.

Kurze Vorstellung bildungsdoc® academy Dresden

Die bildungsdoc® academy wurde 2007 in Dresden gegründet und betreibt drei Infoportale für Bildung im Inland und Ausland. Seit dem Jahr 2015 berät das Unternehmen kostenfrei im Büro Dresden oder Online junge Menschen mit ihren Eltern zu Auslandsaufenthalten während und nach der Schulzeit – u. a. zum High School Year, „Intelligenten“ Work & Travel, Freiwilligenarbeit und Sprachreisen.

Im Mittelpunkt der Beratungen steht dabei immer Entwicklung der Persönlichkeit des jeweiligen Teilnehmers. bildungsdoc® berät generationsübergreifend.

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