Wie schaffst du es, deinen Rasen so perfekt hinzubekommen?“- das haben Henning Möllers in letzter Zeit viele Leute gefragt. Englischer Rasen – ein Thema, das ihn so in den Bann gezogen hat, dass er aufpassen muss, nicht zu einem stundenlangen Monolog anzusetzen. Auch anderen Leuten zu helfen, ihre Rasenfläche in den Griff zu bekommen, macht ihm genauso viel  Spaß, wie sich um den eigenen englischen Rasen zu kümmern. Wie auch Sie einen perfekten Englischen Rasen anlegen und pflegen, lesen Sie in unserem Gastbeitrag von Hennig Möllers.

Englischer Rasen anlegen und pflegen

Was versteht man unter „Englischer Rasen“?

Bei dem dem Begriff „Englischer Rasen“ handelt es sich nicht, wie viele Menschen annehmen, um eine spezielle Rasensorte, welche man kaufen kann. Man verwendet diese Bezeichnung für einen Rasen, welcher eine sattgrüne, dichte und belastbare Rasenfläche mit perfekter Optik besitzt.

Wie die Bezeichung schon verrät, hat „Englischer Rasen“ seinen Ursprung im Vereinigten Köngreich Großbritannien, wo für viele Briten die Gartenarbeit zur nationalen Kultur gehört. Bereits im 18. Jahrhundert  entstanden durch englische Gärtner prächtige Gärten und weitläufige Grünanlagen mit dichtwüchsigen, satt grünen, unkrautfreien und moosfreien Rasen.

Englischer Rasen – der Weg eines Anfängers zum perfekten Rasen

In diesem Beitrag schildert Henning Möllers, was er als blutiger Anfänger alles für den „perfekten“ Englischen Rasen unternommen hat und was es dabei zu beachten gibt:

Ich bin kein Profi und habe meine Informationen seit ca. einem Jahr aus der Fachliteratur und von anderen Rasenbegeisterten und Profis erhalten. Meine eigenen Erfahrungen spielen natürlich auch eine Rolle. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass bekanntlich mehrere Wege nach Rom führen. Auch sind die Standortbedingungen nicht immer gleich. Mein Boden besteht aus schwach lehmigem Sand und hat einen pH-Wert von 6,2.

Vor 4 Jahren bin ich auf unser heutiges Grundstück gezogen. Die Form des Gartens war über Jahrzehnte im Wandel. Die Rasenfläche wurde meistens so behandelt, wie es viele machen. Einmal in der Woche den Rasen mähen, im Frühjahr vertikutieren, zwei bis dreimal im Jahr mit irgendeinem Rasendünger düngen und zwischendurch mit einem x-beliebigen Rasensamen nachsäen.

Das Ergebnis: Wenig Rasen, viel Unkraut (im Hauptrasen benutze ich den Begriff Unkraut; auf den anderen Rasenflächen sage ich Kräuter dazu), viel Moos und im Sommer schnell verbrannt.

Nachdem ich meinem Garten etwas näher gekommen war, habe ich versucht, unseren Rasen etwas auf Vordermann zu bringen. Obwohl ich mir dabei viel Mühe gegeben habe, fehlte aber zum Thema „Englischer Rasen“ einfach das nötige Fachwissen. Nachgesät habe ich damals mit Grassamen, welchen wir auf unserer Wirtschaftswiese verwendeten. Im Sommer 2020 habe ich dann den Entschluss gefasst, eine komplette Neuanlage durchzuführen. Dafür musste ich mich erst einmal zwischen Rollrasen und Selbstaussaat entscheiden. Die Entscheidung fiel aufgrund der verwinkelten Flächen und aus Kostengründen schnell auf die Selbstaussaat.

Vorbereitung des Bodens

Hier habe ich mich dann zunächst mit den Möglichkeiten befasst. Die Lightversion wäre gewesen: Tief mähen, kreuz und quer tief vertikutieren, um die vorhandene Fläche möglichst zu zerstören und anschließend den Rasen nachsäen. Bei dieser Variante bestünde natürlich die Gefahr, dass in der Rasenfläche viele Unkräuter wiederkommen. Man könnte daher die Fläche noch vor dem Säen durchfräsen. Noch besser wäre es dann auch direkt Sand unterzufräsen (Quarzsand, Spielsand, Rheinsand o. ä.).

Wichtig: Wenig Feinanteile, denn durch den Sand wird der Boden grobporiger. So können Wasser, Dünger und Luft besser in den Boden eindringen. Dies ist besonders bei lehmigem Boden von großem Vorteil.

Für mein Projekt „Englischer Rasen“ hatte ich mich entschieden, den Erdboden abzutragen. Verrückterweise habe ich dies mit einem Spaten auf einer Rasenfläche von 550 Quadratmetern getan. Beim nächsten Projekt habe ich dann, zur Freude meines Rückens, einen Sodenschneider benutzt. Um mir die Arbeit für die Zukunft zu vereinfachen, habe ich dabei noch eine Bewässerungsanlage mit knapp 30 Regnern installiert. Anschließend wurden von mir ca. 20 Tonnen Mutterboden darauf verteilt und alles mit einer 3 Meter langen Richtlatte glatt gezogen. Eine kleine Walze und ein Rakel waren auch noch im Einsatz. Heute würde ich den Mutterboden zusätzlich mit Sand mischen.

Achten Sie darauf, dass der Erdboden möglichst gerade ist. Je mehr Löcher im Boden sind, desto unbefriedigender wird nach dem Rasenmähen das Ergebnis aussehen. Machen Sie aber keine Wissenschaft daraus.

Der richtige Rasensamen für englischen Rasen

Bitte säen Sie für einen englischen Rasen nicht irgendeine Rasenmischung aus, von der Ihnen die Bestandteile an Rasensamen nicht bekannt sind. Hierzu gehört auch die Saatgutmischung „Berliner Tiergarten“. Ich empfehle Ihnen, nach einer offiziellen Regelsaatgutmischung (RSM) Ausschau zu halten.

Die Regelsaatgutmischung RSM 2.3 steht zum Beispiel für Spielrasen. Es handelt sich dabei um einen Standardrasen für normale Schnitthöhen, der belastbar genug ist, dass er nicht beim ersten Kinderbesuch oder durch Hunde kaputt geht, aber gleichzeitig auch nicht zu pflegeintensiv ist.

Ich persönlich habe mich für den PS 56 Gebrauchsrasen RSM 2.3 von ProSementis entschieden. Diese Mischung enthält folgende Gräserarten:

Kleiner Exkurs zu den 3 in Deutschland am häufigsten verwendeten Gräserarten

Lolium Perenne (Deutsches Weidelgras) ist nach der Aussaat als erstes zu sehen. Je nach Witterung und Sorte können Sie hier schon nach 3-7 Tagen die ersten Spitzen beobachten. Das Weidelgras bildet Horste und in der Regel keine Ausläufer. So sieht die Neusaat schnell dicht aus aber alleine ist normales Weidelgras nicht zu empfehlen, da beispielsweise Lücken aufgrund fehlender Ausläuferbildung nicht zuwachsen können.

Als nächstes tritt die Festuca Rubra (Rotschwingel) auf den Plan. Die Keimung beginnt, abhängig von den Bedingungen, nach knapp zwei Wochen. Hier gibt es einige Unterarten, sowohl horstbildend als auch ausläufertreibend. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass diese Gräser insgesamt anspruchslos und winterhart sind.

In der Regel ist als letztes die Poa Pratensis (Wiesen-Rispengras) zu sehen. Sie lässt schon mal 3-4 Wochen auf sich warten. Aber am Ende wird man belohnt. Sie bildet Ausläufer. Wenn also mal Lücken im Rasen entstehen sollten, sorgen diese Gräser dafür, dass sie schnell wieder zuwachsen können, ohne dass jedes Mal nachgesät werden muss.

Die Rasenmischung macht’s. Alle Gräser haben ihre Vorteile und Nachteile. Von den genannten Grasarten gibt es allerdings viele unterschiedliche Sorten, die nur zum Teil für die Gebrauchsrasenfläche geeignet sind. So sind einige Lolium Perenne-Sorten zum Beispiel auch als Futtermittel beliebt. In einer Rasenmischung für englischen Rasen haben sie aber nichts zu suchen. Halten Sie sich fürs Erste an die RSM Zertifizierung, für die nur bestimmte Sorten zugelassen werden.

Rasenpflege für einen perfekten englischen Rasen

Aussaat – Englischer Rasen

Beim Aussäen ist es wichtig, dass Sie sich unbedingt an die Angaben auf der Verpackung halten. In einer Rasenmischung sind beispielsweise 40 % Weidelgras, 40 % Festuca Rubra und 20 % Poa Pratensis. Wenn Sie z.B. die doppelte Menge aufbringen würden, käme erst nur das Weidelgras und die Fläche würde schnell sehr dicht. Danach folge die Festuca Rubra, die schon schauen müsste, wo sie sich dazwischen breit machen könnte. Die Poa Pratensis hätte dann schon fast keinen Platz mehr. Ich versichere Ihnen: Beim ersten Schnitt wäre das gewünschte Verhältnis 40:40:20 nicht mehr gegeben.

Decken Sie zum Schutz den Grassamen dies mit einer dünnen Schicht Mutterboden und/oder Sand ab. Mischen Sie den Grassamen im Sack vorher gut durch und bringen ihn mit einem Schleuderstreuer oder Streuwagen aus. Die Ausbringung mit der Hand ist zu ungenau und daher nicht empfehlenswert.

Wässern

Für einen perfekten englischen Rasen ist das Wässern nach der Aussaat sehr wichtig. Und zwar nicht nur die ersten zwei Wochen, sondern auch bis zur Keimung der Poa Pratensis. Aber auch direkt nach der Keimung freuen sich die kleinen Gräser über Wasser. Zu diesem Zeitpunkt sind die Graswurzeln noch nicht tief und können so schnell vertrocknen.

Wässern bedeutet aber nicht, dass Sie zwei Stunden den Rasensprenger laufen lassen sollten. Wichtig ist, dass die Grassamen nicht austrocknen. Mit meiner Bewässerungsanlage war es natürlich Luxus, diese über Tag stündlich für 2 Minuten laufen zu lassen. Beobachten Sie einfach die Feuchtigkeit der Samen. Im Herbst ist es beispielsweise morgens viel länger feucht, sodass Sie nicht zwingend direkt um 9 Uhr morgens wässern müssen.

Nach dieser Keimphase sollte Englischer Rasen langsam dazu erzogen werden, dass die Wurzeln so weit wie möglich ins Erdreich gelangen. So steht dem Rasen auch bei längeren Trockenperioden noch genügend Wasser zur Verfügung. Das funktioniert aber nicht, wenn man im Sommer jeden Abend den Rasensprenger aufstellt. Dann bleiben die Wurzeln an der Oberfläche.

Als Faustformel wird oft gesagt, dass Englischer Rasen im Sommer einmal wöchentlich 15-20 Liter Wasser pro Quadratmeter benötigt, was natürlich u. a. auch stark von der Rasenart und dem Erdboden abhängig ist. Ich verlasse mich da nicht auf das „wöchentlich“, sondern beobachte den Rasen. Wird er leicht bläulich oder kommt er nicht mehr hoch, wenn ich darauf trete, dann weiß ich, dass Bewässerungszeit ist. Und zwar nicht abends, sondern morgens früh. Bei mir geht’s schon während der Nacht los, weil die große Fläche etwas länger für die Bewässerung benötigt.

Beim Wässern über Tag verdunstet viel Wasser direkt. Teilweise kann der Boden das Wasser dann auch nicht gut aufnehmen. Beim abendlichen Wässern ist der Rasen über die gesamte Nacht feucht. Das fördert Rasenkrankheiten und Moos. Am besten ist es, wenn der Boden schön feucht ist, die Oberfläche aber trocken. Direkt nach dem Sanden hat man den Effekt, dass der Boden schnell trocknet, besonders stark.

Englischen Rasen oft mähen

Mähen – Englischer Rasen

Wann der erste Schnitt erfolgen sollte, kann ich Ihnen nicht einfach beantworten. Ich selbst habe ich den Rasen bei einer Grashöhe von 60 Milimetern auf 55 Milimetern gemäht. Ich konnte einfach nicht abwarten. Einige mähen auch erst bei 100 Milimetern Länge.

Wichtig: Befolgen Sie die 1/3 Regel. Die Triebe befinden sich meist auf halber Höhe der Gräser. Wenn Sie die Grashalme auf die Hälfte abschneiden, schädigen Sie diese und das Wachstum kommt ins Stocken. Tasten Sie sich langsam heran, damit sich das Gras an einen kürzeren Schnitt gewöhnen kann.

Für einen perfekten englischen Rasen ist das regelmäßige Mähen jetzt besonders wichtig. Mindestens zweimal die Woche ist empfehlenswert. Wenn der Rasen nicht in die Höhe wachsen kann, wächst er in die Breite und wird dichter. Und je dichter der Rasen ist, desto weniger Platz haben Unkräuter und Moose.

Wie kommen die Streifen in den englischen Rasen?

Viele haben mich gefragt, wie ich die Streifen in den Rasen bekomme. Das liegt daran, dass ich einen Rasenmäher mit Walzenantrieb nutze. Ich mähe einmal längs und beim nächsten Mal quer. Die Grashalme legen sich dann in die Fahrtrichtung. Das Muster bleibt so ein paar Tage bestehen.

Dies ist aber eine rein optische Sache. Wichtiger für die Rasenpflege an sich, ist die Art des Mähens.

Ein Sichelmäher schlägt den Rasen  ab. Die Schnittstellen sind oft fransig und brauchen länger zur Regeneration. Sie sehen dann schnell trocken aus. Wichtig ist, dass Sie beim Rasenmäher die Messer alle paar Wochen schärfen.

Mit einem Spindelmäher werden die Halme richtig abgeschnitten. Dies wirkt sich positiv auf die Optik aus.

Übrigens: Es ist richtig, dass es am besten ist, wenn der Rasen beim Mähen trocken ist. Es gibt aber auch Zeiten, in denen er kaum trocknet, da es so viel Niederschlag gibt. Lassen Sie den Rasen dann nicht einfach 2 Wochen wachsen. Es ist besser, den Rasen feucht zu mähen, als länger wachsen zu lassen. Optimal können Sie vor dem Mähen einen Besen, einen Rakel oder einen Schlauch über die Rasenfläche ziehen, um die Wassertropfen von den Spitzen „abzuwedeln“.

Englischer Rasen ausäen, wässern und düngen

Düngen – Englischer Rasen

Nach dem zweiten Schnitt kam bei mir die erste Düngung. Auch hier gibt es unterschiedliche Philosophien. Einige düngen direkt bei der Ansaat. Dies ist meiner Meinung nach von Vorteil, wenn der Rasen sehr schnell wachsen soll. Ich hatte es nicht so eilig. Da die Gräser nicht sofort viel Stickstoff zur Verfügung hatten, sind sie nicht sofort nach oben geschossen und die Wurzeln hatten mehr Zeit, sich auszubilden. Verwendet habe ich einen Starterdünger. Er zeichnet sich durch einen hohen Phosphatanteil aus.

Wie sieht die weitere Düngung aus? Ich habe Anfang diesen Jahres eine Bodenprobe zu Rasengrün (es gibt sehr viele Anbieter) geschickt um meinen Boden analysieren zu lassen. Ist ganz einfach und auch nicht teuer. Ich wollte wissen, was für Nährstoffe in meinem Boden sind, damit ich planen konnte, wie ich übers Jahr am besten dünge.

Wichtig bei der Düngung sind die Kürzel N (Stickstoff), P (Phosphor), K (Kalium). Ganz oberflächlich betrachtet: Stickstoff ist wichtig für das Wachstum; Phosphor ist wichtig für Wurzelbildung und -wachstum und Kalium für die Widerstandsfähigkeit der Gräser. Es gibt aber noch weitere Nährstoffe, auf die ich aber hier nicht weiter eingehe. Bei mir hat sich ein Kaliummangel herausgestellt.

Ein normaler Gebrauchsrasen benötigt in der Regel ca. 25 g Stickstoff, 6 g Phosphor und 16 g Kalium pro Quadratmeter im Jahr. Weil das Ganze eine ziemliche Rechnerei ist, habe ich meine Daten in einen Düngeplan eingegeben. Der sah dann wie folgt aus: Im Frühjahr habe ich mit 40 g vom Rasendünger „Compo Expert Terra Plus N“ angefangen. Dieser Dünger enthält Huminsäuren und Alginate.

Im Laufe der Saison habe ich dann insgesamt vier Mal „MannaDur Profi aktiv“ (35g) genutzt. Dieser beinhaltet den nützlichen Bacillus Subtilis. Wichtig ist mir bei den Düngern, dass sie organisch-mineralisch sind. Rein mineralische Dünger begünstigen nur den Rasen aber nicht den Boden. Die organischen Dünger kümmern sich auch ums Bodenleben.

Dass es dem Boden gut geht, erkennt man besonders an den vielen Regenwurmhäufchen. Optisch sind sie zwar nicht gerade ansprechend, aber der Gegenwert der Regenwürmer ist um ein Vielfaches höher. Sie sorgen für eine natürliche Belüftung, essen tote Pflanzenteile und setzen diese in Mineralien um und durchmischen den Boden. Die Anzahl der Wurmhäufchen in meinem Rasen zeigt mir, dass ich mit meiner organisch-mineralischen Düngung richtig liege. Ich brauche kein zusätzliches Geld für teure Bodenverbesserer auszugeben. Dies ist meiner Meinung nach nur notwendig, wenn ansonsten rein mineralisch gedüngt wird.

Aufgrund des Kaliummangels laut Bodenanalysen hat mein Rasen vor dem Hochsommer noch extra Kalium bekommen, damit er hitzebeständiger wird. Im Herbst werde ich dann nochmal eine Kaliumdüngung ausbringen. Empfohlen wird eine Düngung im Verhältnis 1:2 (Stickstoff : Kalium).  Im nächsten Frühjahr geht es bei Beginn der Forsythienblüte wieder los.

Nachsäen

Leider habe ich meinen englischen Rasen bis zum Winter im letzten Jahr nicht mehr dicht bekommen. Hier auf dem Land ist der Unkrautdruck besonders hoch und der Mutterboden, den ich verwendet habe, war nicht der Beste. Deshalb musste ich schnell Abhilfe schaffen.

Letzten Winter bin ich auf einen neuen Rasensamen aufmerksam geworden. Und zwar auf den RPR Sport von Barenbrug. Was ist daran so besonders? Diese Mischung besteht ausschließlich aus Lolium Perenne Sorten. Darin enthalten ist auch besonders gezüchtetes Weidelgras, das Ausläufer bildet. Man hat hier also ein schnell keimendes Gras, das sich auch ausbreiten kann. Mit Kindern und Hund auf dem Rasen also eine super Sache. Alleine als komplette Neuanlage würde ich diesen Grassamen aber nicht wählen, da sich bei fehlender Diversität Krankheiten schneller ausbreiten können.

Eigentlich ist das Nachsäen im April, Mai und September aufgrund der günstigen Bedingungen am wirkungsvollsten. Ich wollte aber schnellstmöglich die Lücken schließen und habe bereits im März nachgesät. Trotz der bei uns sehr niedrigen Temperaturen, hat dies gut geklappt, allerdings auch nur, weil die Rasenmischung ausschließlich aus dem schnell keimenden Lolium Perenne bestand.

Da ich bei der Neuanlage versäumt hatte, Sand unterzufräsen, habe ich die Nachsaat mit einer Schicht aus Sand und Mutterboden 70/30 abgedeckt und mit dem Straßenbesen eingefegt, sodass die Schicht nirgendwo dicker als 10mm war.

Ende Juli habe ich ein weiteres Mal nachgesät, da ich eine Woche im Urlaub war und der Rasen sowieso nicht gemäht wurde. Glücklicherweise waren die Wetterbedingungen optimal.

Unkraut

Auch wenn mein Englischer Rasen im Frühjahr aufgrund der Nachsaat schnell dicht wurde, hatte sich schon sehr viel Unkraut etabliert.

Unkraut im englischen Rasen zeigt euch gut, wie die Bodenverhältnisse sind. Basisch oder sauer? Feucht oder trocken? Nährstoffreich oder nährstoffarm? Googeln Sie einmal nach Zeigerpflanzen. Daraus ergibt sich vielleicht, was Ihrem Rasen fehlt und Sie können entsprechend entgegenwirken. Wichtig ist, sich über die Ursachen klar zu werden. Mit dem Einsatz von Chemie kommen Sie nicht weiter, da sie nur kurzfristigen Nutzen hat.

Ein Beispiel ist Moos, welches sehr oft an schattigen, feuchten Stellen zu finden ist. Sorgen Sie dafür, dass der Boden schneller abtrocknet, indem Sie ihn sanden und ggf. aerifizieren (Stichwort Staunässe). Danach wird es das Moos nicht mehr so leicht haben und auch die Verhältnisse für die Gräser werden verbessert

Wichtig: Sollten Sie doch einmal ein Herbizid einsetzen müssen, achten Sie bitte genau auf die Anwendungsanweisung.

Ich selbst bin stundenlang (200 Stunden kamen locker zusammen) mit dem Unkrautstecher über den Rasen gekrabbelt und habe alles ausgestochen. Manche schwören auf Gabeln als perfektes Werkzeug. Probieren Sie es einfach aus, was für Sie am besten in Frage kommt. Als ich fertig war, habe ich die komplette Fläche mit gewaschenem Rheinsand 0-2 Millimeter gesandet. Durch das Ausstechen waren doch einige Löcher im Boden. Den Sand habe ich mit einem Rakel verteilt. Jetzt ist der Rasen so dicht, dass kaum noch Unkraut durchkommt. Beim Vorbeilaufen ziehe ich mal hier und da was raus oder ich gehe abends über meinen Rasen und investiere etwas Zeit, ihn größtenteils vom Unkraut zu befreien. Besonders abgesehen habe ich es hier auf den Klee. Wenn ich diesen nicht schnell genug entferne, breitet er sich schnell aus und man könnte die Kontrolle darüber verlieren.

Lüften und Vertikutieren

Oben habe ich geschrieben, dass man zur Neuanlage einen Vertikutierer nutzen kann. Aber wofür ist der Vertikutierer eigentlich gedacht? Besonders auf Golf- und Fußballplätzen wirken durch die Belastung sehr hohe Scherkräfte. Viele Gräser „brechen ab“ und es kann sich eine dicke Filzschicht bilden. Mit dem Vertikutierer schneidet man dann durch diese Filzschicht, um sie herauszuholen, damit der Boden wieder atmen kann. In normalen Hausgärten sind solch dicke Filzschichten eher selten, was das Vertikutieren gänzlich unnötig macht. Ich gehe sogar einen Schritt weiter. Die meisten Leute machen sich dadurch sogar ihren Rasen kapputt. Im Frühling wird vertikutiert. Keine Filzschicht da? Egal, schneide ich einfach in den Boden, schädige die Wurzeln und stresse den Rasen, sodass er erstmal Zeit braucht, wieder vernünftig in Fahrt zu kommen. Gleichzeitig schaffe ich noch eine super praktische Landebahn. Wofür? Unkraut! Also lassen Sie das Vertikutieren. Sobald die Eichen ihre Blätter bekommen kann mit mechanischen Maßnahmen begonnen werden, da nun auch der Rasen stark genug sein sollte. Hier reicht das Lüften vollkommen aus. Ähnlich wie das Vertikutieren, allerdings nur mit Zinken anstatt mit Messern. Die Höhe sollte so eingestellt werden, dass der Boden nicht berührt wird. Damit kämmt man durch den Rasen und holt die waagerechten und toten Gräser heraus.

Schlusswort

Sie sehen, für einen perfekten Englischen Rasen gibt es einige Dinge, die man beachten sollte. Ich weiß, für eine solch umfangreiche Pflege fehlt vielen die Zeit. Aber vielleicht helfen schon kleine Veränderungen, ein deutlich besseres Ergebnis zu erzielen.

Die Themen konnte ich hier natürlich nur ankratzen und nicht bis ins kleinste Detail behandeln. Etwas ausführlicher möchte ich in Zukunft auf meinem Instagramprofil #grenzlandrasen berichten. Jetzt steht zum Beispiel das letzte Lüften und Nachsäen für dieses Jahr an. Was dies mit der Poa Annua zu tun hat, können Sie auf Instagram erfahren. Dort stehe ich Ihnen gern auch für Fragen zur Verfügung.

Viele Grüße

Ihr Henning Möllers von #grenzlandrasen

Zu Instagram

Fotos: Henning Möllers