Berufsunfähigkeitsversicherung – warum sie sich lohnt

Oft wird über den Nutzen einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) diskutiert. Dabei gibt es neben vielen Befürwortern, auch Gegner. Letztere haben oft eine falsche Vorstellung über den Versicherungsschutz, obwohl dieser im Prinzip fast unverzichtbar ist.


Nach der großen Resonanz auf unseren Beitrag über die Private Krankenversicherung (PKV), möchten wir uns heute dem Thema Berufsunfähigkeitsversicherung widmen und für ein besseres Verständnis dieser existenzsichernden Versicherung sorgen.

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – vorab das Wichtigste in Kurzform

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) ist für alle Menschen wichtig, welche von Ihrem Einkommen leben.
  • Bei einem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Arbeitsleben, deckt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente in den meisten Fällen die Lebenshaltungskosten nicht vollumfassend ab.
  • Ihr Gesundheitszustand ist das wichtigste Kriterium, um eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen zu können.

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) haben sollte?

Wenn Sie nicht in der beneidenswerten Lage sind aus Ihrem Vermögen Ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können, dann ist sie unverzichtbar. Diese Versicherung ersetzt im Leistungsfall Ihr Einkommen. Dabei ist der Begriff „Beruf“ eher durch den Begriff „zuletzt ausgeübte Tätigkeit“ zu ersetzen. Denn wenn Sie diese aufgrund Krankheit oder Körperverletzung nicht mehr ausüben können, haben sie Anspruch auf Rente.
Diese Rente ist nicht mit der Erwerbsminderungsrente der Gesetzlichen Rentenversicherung zu verwechseln. Zum einen, weil diese nur auf eine Restleistungsfähigkeit in irgendeiner beruflichen Betätigung abstellt, zum anderen, weil diese gegebenenfalls mit anderen Einkünften verrechnet wird. Die passiert bei einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht.

Wer kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Im Grunde fast jeder. Nur einige sehr risikobehaftete Berufsbilder gelten als unversicherbar. Zum Beispiel Dompteure, Schausteller oder Prostituierte. Die Versicherungsprämie richtet sich nach dem Gesundheitszustand und dem konkreten Berufsbild bei Antragstellung. Wenn Sie einmal versichert sind, bleiben Sie es auch bis zum vereinbarten Versicherungsablauf. Berufliche Veränderungen sind nicht anzeigepflichtig. Um beim oben genannten Beispiel zu bleiben, könnten Sie Ihre berufliche Laufbahn zunächst als versicherbarer Tierpfleger starten, um dann später als faktisch unversicherbarer Löwen-Dompteur im Zirkus fortsetzen. Ihre letzte Tätigkeit gilt als versichert.
Was hier etwas spaßig von mir geschildert wurde, ist durchaus wichtig für das Verständnis. Je früher Sie sich versichern und je klarer und weniger gefahrvoll das Berufsbild, desto günstiger die Prämie.

Was kostet eine Berufsunfähigkeitspolice?

Neben Gesundheit und Beruf spielt auch die versicherte Leistung eine bedeutende Rolle. Entscheidend sind die Rentenhöhe und die Rentendauer die Sie vereinbaren. Je höher und länger desto teurer. Eine konkrete Aussage kann ich hier leider nicht treffen, sie ist vom Einzelfall abhängig.

Wie hoch sollte man sich versichern?

Sie sollten sich so hoch absichern, dass Sie alle Lebenshaltungskosten und sonstigen Zahlungsverpflichtungen bestreiten können. Vergessen Sie bitte nicht, dass auch diese Rente der Einkommensteuer unterliegt, es also eine Bruttorente ist. Die Versicherungen begrenzen die Leistungen im Allgemeinen auf 60% des Jahresbruttoeinkommens (bei Selbständigen des Gewinns), individuelle Regelungen sind aber in Ausnahmefällen möglich. Mögliche Leistungen aus der Sozialversicherung sollten Sie in Ihrer Rechnung besser nicht berücksichtigen, denn unter Umständen erhalten Sie von dort gar keine Leistungen, trotz einer bestehenden Berufsunfähigkeitsversicherung (BU).

Warum lohnt sich ein Vergleich bei der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Es gibt eine Vielzahl an Anbietern am Markt. Ein Vergleich ist für den Laien nur über den Preis möglich. Besser Sie lassen sich von einem Experten beraten. Denn die Bedingungen, also das Kleingedruckte, sind ein wesentlicher Faktor für den Entscheidungsprozess. Hierauf lege ich als Berater ein besonderes Augenmerk. Im Falle von bereits vorhandenen Erkrankungen und erfolgten medizinischen Behandlungen rate ich zu einer Vorabprüfung des Risikos. In diesem Prozess und bei der richtigen Berufsgruppeneinstufung unterstütze ich Sie selbstverständlich. Sie haben dann die Gewissheit beim richtigen Anbieter versichert zu sein und nicht zu viel Prämie zu zahlen. Spätere Anpassungsmöglichkeiten des Vertrages in der Zukunft berücksichtige ich heute schon für Sie bei der Tarifwahl.

Gibt es Wartezeiten wie in der gesetzlichen Rentenversicherung?

Im Gegensatz zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente, die eine Wartezeit von 60 Monaten voraussetzt, gibt es diese in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung nicht. Gerade junge Leute, die erst kurze Zeit oder noch nie Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben, sollten sich deshalb unbedingt versichern. Das betrifft Auszubildende und Studenten besonders, sie werden sonst automatisch zum Sozialfall.

Welche Ursachen führen zu einer Berufsunfähigkeit?

Die Leistungsfallstatistik der Alten Leipziger Lebensversicherung a. G. weist folgende Prozentzahlen für den Zeitraum von 01/2010 bis 01/2020 aus:

  • Psychische Erkrankungen 28%
  • Krebserkrankungen 20%
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates 19%
  • Unfallfolgen 11%
  • Herz- und Gefäßerkrankungen 8%
  • Neurologische Erkrankungen 6%
  • Sonstige Erkrankungen 8%

Diese Statistik wird von Versicherer zu Versicherer etwas abweichen, in der Tendenz aber übereinstimmend. Psychische Erkrankungen, Tumorerkrankungen und Skeletterkrankungen sind die Hauptursachen. Deshalb ist die Aussage des Büroangestellten „Ich werde nicht berufsunfähig!“ völlig falsch. Es kann jeden treffen! Am häufigsten zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Tatsache ist, dass das Unfallrisiko und der Verschleiß der Kniegelenke bei einem kaufmännischen Angestellten geringer sind, als bei einem Fliesenleger. Letzterer zahlt dafür jedoch eine höhere Versicherungsprämie als der kaufmännische Angestellte.

Kann ich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung auch auf andere Tätigkeiten verwiesen werden?

Diese Sorge haben viele Menschen und scheuen deshalb den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch die meisten Anbieter am Markt verzichten ausdrücklich auf diesen „Abstrakten Verweis“ in ihren Bedingungen. Nur wenn die andere ausübbare Tätigkeit Ihren Kenntnissen und Erfahrungen, Ihrer sozialen Wertschätzung und Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht, können Sie konkret auf die neue Tätigkeit verwiesen werden. Der Versicherer stellt dann die Rentenleistung ein. Der Nachweis ist vom Versicherer zu erbringen und ist an hohe Hürden gebunden.

Aufgrund der Covid-19 Epidemie kommt es jetzt häufiger zur Verlegung des Arbeitsplatzes vom Büro ins Homeoffice. Dadurch ändert sich gewissermaßen auch das Tätigkeitsbild. Im Falle einer Leistungsprüfung gilt ja immer der Grundsatz „Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit wie an gesunden Tagen“ mit ihrer individuellen Ausprägung. Wie sich diese neue Arbeitssituation in der Beurteilung einer vorliegenden Berufsunfähigkeit auswirken kann, wage ich heute noch nicht zu beurteilen.

Deshalb noch ein nützlicher Tipp: Mit der BU-Police auch gleich eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Sie sorgt für Waffengleichheit vor Gerichten gegen finanzstarke Versicherer.

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